Polvitz
 
Polvitz um 1700 - Zeichnung von Anco Wigboldus
Polvitz um 1700 - Zeichnung von Anco Wigboldus

Polvitz befand sich seit 1420 im Besitz der Familie v. Alvensleben. Wegen des sandigen Bodens nannte man es die Wüste Polvitz. Über den einstigen Zustand der Anlagen schrieb Hans-Detloff v. Kalben 1959: 

Wer das schlichte, von Kiefern und Rasen umgebene Herrenhaus in Polvitz bei Gardelegen sieht, kann sich schon vorstellen, dass diese reizvolle Lage einst Anlass gewesen sein mag, dort einen herrschaftlichen Sommersitz zu bauen. Er lag auf der Halbinsel eines künstlichen Stausees. Beiderseits des Hauptparterres, das die Wohn- und Schlafräume enthielt, lagen der Saal und Pavillons. Die einstöckigen Gebäude bestanden aus verputztem Fachwerk mit Stuck und Holzschnitzerei. Die bleigedeckten Flachdächer waren von statuenbesetzten Balustraden umgeben, die Innenräume mit Deckenbildern, Stuckaturen und Gemälden dekoriert, eine Art improvisierter Theaterarchitektur. Bildergalerie und Orangerie formten mit dem Saalbau einen Ehrenhof. Davor lagen nach Westen beiderseits der Einfahrt die Wirtschaftsgebäude. Ein Stück des Weges nach Gardelegen wurde von einer Statuenreihe verschönt. Auf einer künstlichen Insel im Stausee der Milde standen in einem Ziergarten zwei kleine Gebäude, “Belvedere” und “Fischerhaus”.  Dieses kleine Juwel der damaligen Baukunst schuf Friedrich Wilhelm v. Alvensleben 1692, “durch die Schönheit der Lage angezogen”; er hat wohl als Vorbild Haus und Park Marly, die Schöpfung Ludwigs XIV, benutzt.  

Von alledem ist nichts mehr vorhanden. Das hauptsächlich aus Wald bestehende Gut mit der zu ihm gehörenden Försterei Kenzendorf, mitten im Wald an einem kleinen Wasser gelegen, gehörte bis 1945 Wilman v. Alvensleben (1894-1967). Das Herrenhaus dient jetzt als Kinderheim.

Nach der Wende konnten Wilmans Sohn Alkmar (1922-2005) und seine Kinder die Försterei Kenzendorf (2000) und einen Teil der Waldflächen (2001) wieder zurück kaufen.  Alkmars Witwe Irma (1922-2015) wohnte weiter in Kenzendorf und die Försterei ist ein neuer Mittelpunkt der großen Polvitzer Familie geworden. Alkmars Schwester, Fredeke Hüfner (1929-2016), hatte direkt in Polvitz ein kleines Häuschen erworben und ausgebaut und auch wieder ständig in ihrer früheren Heimat gewohnt.

Literatur: Hans-Detoff v. Kalben: Die Altmark. München 1959, S. 158

Es folgen eine ausführlichere Beschreibung durch Udo v. Alvensleben-Wittenmoor und weitere alte Bilder