Das Wappenfenster vom Rusteberg (Anekdote – Teil 2)

Im Fenster eines Hauses in Kirchgandern hing nach dem zweiten Weltkriege ein gläsernes Wappen der Familie v. Alvensleben. Ein Freund der Familie, der nach der Wende 1989 durch das Dorf kam, entdeckte es und kaufte es dem Besitzer ab. Dieser erzählte dazu folgende Geschichte:

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gut Rusteberg geplündert. Auch er hatte als Junge zusammen mit seinem Freund nach brauchbaren Dingen gesucht. Sein Freund fand ein Alvenslebensches Wappenfenster und er einen Säbel. Da der Freund diesen Säbel gerne haben wollte, haben sie getauscht. Er hat mit dem Wappen sein Wohnzimmerfenster verschönert, was mit dem Säbel geschehen ist, bleibt noch ungeklärt – ebenso die Frage, ob es der gleiche Säbel ist, der 1941 von Frankreich zurück nach Deutschland gebracht wurde. 

Das Wappenfenster – 1893 von Georg v. Alvensleben gestiftet - kam zurück in die Familie und wurde von Reimar und Inge v. Alvensleben 2003 in die Haustür des neuen Forsthauses in Falkenberg bei Fürstenwalde eingebaut.  

Ein kleines Detail des Fensters gibt möglicherweise Hinweise auf die christliche und gesellschaftspolitische Grundhaltung des Stifters. Unterhalb des Wappens befindet sich ein kleiner Maikäfer – vermutlich das Symbol der sogenannten Maikäferei, ein christlich-konservativer Kreis junger Romantiker um Klemens Brentano in Berlin 1816-1819, der eine wichtige Keimzelle der christlichen Erweckungsbewegung der damaligen Zeit war. Zu diesem Kreis gehörte auch Graf Albrecht v. Alvensleben (1794-1858), der spätere preußische Finanzminister. Maikäfer im Wappenfenster