Schloss Gohlis in Leipzig

Gohliser Schlösschen - Zeichnung von Anco Wigboldus um 1935
Gohliser Schlösschen - Zeichnung von Anco Wigboldus um 1935

1755-1756, kurz vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, ließ der Leipziger Senator Kaspar Richter Schloss Gohlis als Sommersitz erbauen: vor den Toren der Stadt, an der Pleiße, den Waldungen des Rosentals gegenüber. Der Architekt dürfte Johann Christof Knöffel gewesen sein, denn Gohlis, obwohl selbst eine imponierende Baugruppe, wirkt wie eine Reduktion des kursächsischen Jagd-Schlosses Hubertusburg, das Knöffel, der auch anderweitig für Richter baute, 1743-1751 errichtet hatte. Im Prinzip stimmt alles überein: der polygonale Mittelbau mit turmartigem Aufsatz, Fassadenelemente, Dachform und die Gestaltung der Seitenflügel. Wie in Hubertusburg waren auch in Gohlis G. Knüffler als Bildhauer und Adam Friedrich Oeser als Maler bei der Ausstattung tätig. 1771 heiratete der Jurist Johann Gottlieb Böhme die Witwe Kaspar Richters, die ihm Gohlis in die Ehe brachte. Er war es, der das Deckengemälde des Festsaales bei Oeser in Auftrag gab. Sowohl Böhme (als Universitätsprofessor) wie Oeser (als Akademielehrer) unterrichteten den jungen Goethe, der mit beiden freundschaftlich verkehrte und deren Verbindung herstellte. Auch Friedrich Schiller war 1785, als er in Gohlis wohnte und dort den ,,Hymnus an die Freude" dichtete, häufig Gast im Schlosse, das viele Besucher von geistigem Rang empfing. 

1832-1863 ist Gohlis zwei Generationen lang in Alvenslebenschem Besitz gewesen. Der Domherr Carl Wilhelm auf Kalbe verbrachte hier seine letzten Lebensjahre, wollte aber auf seine gewohnte landwirtschaftliche Tätigkeit nicht verzichten. Er kaufte zwei dem Schlossgut benachbarte Höfe hinzu, baute Scheunen und Ställe und richtete einen Gutsbetrieb ein. Seiner Neigung folgend, hielt er Reitpferde und ein Vierergespann, das in Leipzig Aufsehen erregte. Durch Briefe seines Nachfolgers an Bettina v. Arnim erfahren wir einiges über das damalige Leben in Gohlis. Man wusste die Verbindung ländlicher Einsamkeit mit der Nähe einer so bedeutenden Stadt zu schätzen. Anlässlich von Beisetzungen in der Gartengruft sang der Thomanerchor in der gewölbten Eingangshalle. Musik spielte hier eine Hauptrolle. Durch das Anwachsen der Stadt bedrängt, verkaufte man Gohlis 1863, um rentablen Landbesitz, die Herrschaft Falkenberg bei Homberg in Hessen, dafür zu erwerben.1906 gelangte die Stadt Leipzig in den Besitz des damals ziemlich verfallenen Schlosses. Doch erst 1934-35 fand eine gründliche Wiederherstellung statt. Mit den drei Haupträumen im Mittelteil, Halle, Empfangssalon, Festsaal und dem prachtvoll gemeißelten Frontspitz Knöfflers an der Südfront, bildete Gohlis seitdem, als städtisches Repräsentationsgebäude für Empfänge, Ausstellungen und Konzerte bestimmt, eine Zierde Leipzigs. Die den Garten flankierenden Arkadenflügel enthielten einstmals Treibhaus, Kegelbahn und galerieartige ,,Gartensäale", diese mit weißgoldenen Rokokomöbeln ausgestattet und mit ,,Gipsbüsten großer Männer des klassizischen Alterthums" geschmückt.

Bildvon Gebhard v. Alvensleben mit Familie im Gohliser Schlösschen
Bild von Gebhard v. Alvensleben mit Familie im Gohliser Schlösschen

Eine Erneuerung 1945 beseitigte die Kriegsschäden. Die Stadt vereinigte hier Porträts von Persönlichkeiten, die zum Schloss in Beziehung standen, darunter ein Porträt von Gebhard v. Alvensleben und ein Bild seiner Familie, die Gohlis zur Biedermeierzeit bewohnten. Gebhard-Calbe/Gohlis war musisch gebildet und künstlerisch talentiert. Er dichtete, komponierte, “sang mit schöner Bassstimme” und dirigierte. Er vertone Texte der Romantiker, schrieb eine Kantate für Männerstimme und Orchester und Kompositionen für Klavier. Bereits während seiner Studienzeit hatte er Kontakte zu Bettina v. Arnim und begleitete sie und ihrer Tochter später auch auf Reisen. Sein Enkel Heinz (1907-1980) wanderte in den 20er Jahren nach Namibia, dem damaligen Südwestafrika aus, wo sein Sohn Gebhard (*1947) zusammen mit seiner Familie die von seinem Vater Heinz gegründete Farm Kumkauas noch heute bewirtschaftet.  

Literatur:

  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor : Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Dortmund 1960.
  • Sabine Hocquel-Schneider: Das Gohliser Schlösschen in Leipzig. In: Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen 1999, S. 89-101
  • Sabine Hocquel-Schneider, Alberto Schwarz, Brunhild Vollstädt: Das Gohliser Schlösschen von Leipzig. Edition. Leipzig 2000. 
 
 Schloss Gohlis in Leipzig 2006
Schloss Gohlis in Leipzig 2006