Weitere Spuren der Alvensleben in Ballenstedt

Von Joachim Schubart

 

Armgard-Neugattersleben (1834-1920) erwarb im Jahre 1869 den Oberhof in Ballenstedt, einen ehemals v. Stammerschen Adelssitz. Offenbar war der Oberhof, insbesondere in ihrem höheren Alter, ihr ständiger Wohnsitz. Sie starb 1920 in Ballenstedt und wurde dort im nördlichen Friedhofsteil beigesetzt. Die Grabstelle ist nicht mehr erhalten. Armgards Mutter Luise, geb. v. Trotha, einst tätige Herrin auf Neugattersleben, verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in Ballenstedt und starb dort im Dezember 1893. Sie wurde jedoch in Neugattersleben beerdigt.

 

Vielleicht angeregt durch Besuche auf dem Oberhof bei ihrer Nichte Armgard, strebten um das Jahr 1877 auch die drei Eichenbarlebener Brüder Werner, Gustav und Constantin nach ständigen oder zeitweisen Alterssitzen in Ballenstedt oder Umgebung. Werner (1802-77), der Älteste der drei, war 1869 als Generalleutnant verabschiedet worden. Er und seine zweite Gemahlin Clara, geb. Heineccius, erwarben 1877 in der Louisenstr. in Ballenstedt eine Villa (heute renoviert, Otto Kiepstr.23). Gustav und Constantin, die bekannten Generäle, bezogen etwa um diese Zeit eine am Hang über den Nachbarorten Gernrode und Bad Suderode liegende Villa (heute Schwedderbergstr.39, schon zu Bad Suderode gehörend). Nun verstarb Werner im Juni 1877 in Potsdam noch vor dem geplanten Umzug, den seine Witwe dann durchführte.

 

Am neuen Wohnsitz, im heute mittleren Teil des Ballenstedter Friedhofs, wurde eine Mauergrabstelle für die Familie erworben und Werner dort beigesetzt. Dies wurde auch die letzte Ruhestätte für Gustav und Constantin, die 1881 in Gernrode bzw. 1892 in Berlin starben.Diese Stätte gibt es bis heute, insbesondere eine jüngere Gedenktafel an der Mauer, die die Alvensleben-Brüder in ihrer militärischen, bzw. auch politischen Bedeutung würdigt. Zwei Grabplatten an den Seiten beziehen sich auf Nachkommen von Werner und Clara: auf deren Sohn und dessen Sohn.
Familiengrabstätte in Ballenstedt
Familiengrabstätte 1928
 
Ballenstedt um 1840

Schon 1765 war Ballenstedt Residenz der späteren Herzöge von Anhalt-Bernburg geworden. Seit 1833 wirkte dort als Hofmaler und später als Kammerherr Wilhelm von Kügelgen, der in erhaltenen Briefen an seinen Bruder (eine veröffentlichte Folge setzt 1840 ein) eingehend das damalige Leben in Ballenstedt beschreibt. Dabei erwähnt er als älteren dortigen Bekannten Ferdinand v. Alvensleben aus dem Hause Redekin (1782-1862), der von 1819 bis 1848 in Anhalt-Bemburgischen Diensten als Kammerherr, Direktor des Alexisbades und später Hofstallmeister wirkte. Wie auch aus Familiendaten hervorgeht, hat dieser länger in Ballenstedt gelebt. Aus der ersten Ehe seiner Frau hatte er Stiefkinder, die auch in den Briefen erwähnt werden. Ausserdem heiratete seine Nichte Agnes a.d.H. Redekin (1811-1894) seinen Stiefsohn Anton v. Krosigk im Okt. 1832. Dieser war später Anhalt-Bemburgischer Oberforstmeister und Kammerherr. Als solcher lebte er offenbar in Ballenstedt, denn dort wurden zwei Söhne geboren, und dort starb er relativ jung im Februar 1844. W. v. Kügelgen erwähnt dies und ausserdem ein Portrait von ihm, das er angefertigt hatte.
Image
Ferdinand v. Alvensleben (1782-1862) und seine Frau Friederike v. Stedern, verw. v. Krosigk (1788-1847)
- gemalt 1819/20 von Gerhard v. Kügelgen (1772-1820) in Ballenstedt.
Die Bilder befanden sich bis 1945 in Erxleben und sind seitdem verschollen.
(beschrieben bei: Dorothee von Hellermann: Gerhard von Kügelgen (1772-1820).
Das zeichnerische und malerische Werk. Berlin 2001, S. 277-279)


Ballenstedt um 1900


Außer Armgard auf dem Oberhof gab es um 1900 noch mehrere Familienglieder am Ort. Die Witwe Clara von Werner wohnte bis 1900 ständig in der Villa, die oben erwähnt wurde. Sie wurde einige Jahre danach verkauft. Werners Töchter aus erster Ehe Bertha (1859-1912) und Elisabeth (1861-1945) hatten von dort aus 1888 bzw. 1885 geheiratet. Als Ehefrau des Pastors an der Ballenstedter Schlosskirchengemeinde, des späteren Anhaltischen Generalsuperintendenten F.W. Schubart blieb Bertha (Großmutter des Verfassers dieser Zeilen) bis Ende 1904 am Ort. Das Paar wohnte zunächst in der Allee, dann in dem angrenzend erbauten Pfarrhaus. Als ältere Offiziere waren nach Ballenstedt gezogen Alfred-Redekin (1837-1909) und Gebhard-Erxleben I (1843-1906). Ungefähr seit 1904 lebte auch Hans Bodo-Rogätz (1849-1936) in Ballenstedt. Dort gab es noch um 1963 auf dem Friedhof eine Grabstätte mit den Namen von ihm und seiner Gattin.