Alvenslebensche Grabdenkmäler in und an der Dorfkirche Eimersleben

Das Gut Eimersleben mit dem zugehörigen Kirchenpatronat gehörte bis 1945 den Alvensleben Weißer Linie in Erxleben I. Der jetzige Kirchbau stammt aus den Jahren 1712-15. In dieser Zeit wurde auch eine gewölbte Gruft angelegt, in der 1907 dreizehn Särge mit Zinkbeschlägen gestanden haben. In der Kirche selbst befinden sich zwei Alvenslebensche Epitaphe : 

Epitaph für Friederike Elisabeth v. Alvensleben, geb. v. Bismarck (1675-1712) 

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   Vorkriegsbild
   Aufnahme 1988: Das Wappen rechts ist weggebrochen,  der gemalte Hintergrund  ist übermalt 

Sie war die Frau von Friedrich Wilhelm v. Alvensleben (1668-1734) auf Eimersleben und Polvitz, mit dem sie neun Kinder hatte. Das 1715 errichtete Epitaph ist eine Arbeit des Helmstedter Bildhauers Michael Helwig. Es befindet sich in der Nordwand des Chors vor gemaltem Baldachin in Blau und Gelb. Höhe 2,50 m, Breite 1,55 m, Tiefe 23 cm. Schwarzer und Weißer Marmor. Ölbild der Toten auf Kupfer. Auf den Rahmen sechs, am Sockel drei Ovalbildchen der Kinder. Der äußere Rahmen besteht aus Konsolen, Bändern, Akanthus, Wappen (links: Alvensleben, rechts: Bismarck) und Gehängen. Seitlich zwei, obenauf die dritte der Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung. Inschrift in Fraktur: Letztes ehren und liebes denkmal der weyl: hochwohlgeb: frauen Fr: Frid: Elisab: v. Bismarck gebohren zu Crevesen Ao 1675 d. 10. May In der Ao 1699 getroffenen 13jährigen Ehe von 3 Söhnen und 5 Töchtern, davon noch 3  am leben Mutter worden, den 12. März aber zu Crevesen alt 37 jahr minder 8 Wochen im 4. Tag dis Zeitliche gesegnet, errichtet von ihrem auch im Tode sie liebenden Ehegemacht (!) F.W.v.A. (=Friedrich Wilhelm v. Alvensleben). 

 Epitaph für Gebhard Johann V. v. Alvensleben (1701-1747) 

 Image  Wappen im Epitaph von Gebhard Johann V. v. Alvensleben
 Gesamtansicht
 Wappen

Er war der älteste Sohn von Gebhard Johann III. v. Alvensleben (1667-1738) und Augusta Ehrengart v. Alvensleben (1677-1725) und blieb unverheiratet. Das Epitaph ist eine Arbeit des Eggenstedter Bildhauers Johann Christoph Geiger, der für Material und Arbeit  225 Thaler erhielt. Das dazugehörige Bild wurde von Tobias Belau aus Magdeburg gemalt und mit 17 Thalern und 6 Groschen bezahlt. Das Denkmal befindet sich an der Südseite des Chors und ist 3,10 m hoch, 1,70 m breit und 25 cm tief. Schwarzer und weißer Marmor. Ölbild auf hohem Postament, ringsum Waffen, rechts unten Helm, Trommeln, Panzer. Zwei Putten halten das Wappen vor der Konsole: quadriert, Feld 1 und 4 Alvensleben-Wappen, Feld 2 und 3 Johanniterkreuz. Darunter geflügelter Chronoskopf. Obenauf liegt Fama, eine Tuba blasend. Inschrift in Fraktur: Der weyland Hochwürdige und Hochwohlgebohrene Herr, Herr Gebhard Johann von Alvensleben auf Eimersleben, Polwitz, Bardeleben (sic!), Erxlebe Erb- und Gerichts Herr, des Geschlechts weißer Linie Senior, Königl: Preuß: Rittmeister, des St. Johanniter Ordens Ritter und designirter Comedator zu Wittersheim war gebohren den 26. April 1701, starb unvermählet nach einer über Jahr und Tag gedauerte und schmertzhaffte Krankheit zu Polwitz den 23. May 1747 ruhet verlangter maassen bey seinen Vätern zu Erxleben und ist hier als dieser Kirchen allein gewesener Patron zum rühmlichen Andencken im Bildnüss zu sehen. 

Literatur: Marie-Luise Harxen: Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 217-223.

 

Gedenkstein an der südlichen Außenwand der Kirche

ImageDer Stein ist 96 cm hoch und 64 cm breit und in die Südwand der Kirche außen eingemauert. Oben befinden sich die Wappen Alvensleben und Bülow, darunter die aus den Wolken ausgestreckte Hand Gottes und die lateinische Inschrift:

NON PRIVATIO SET CONTEMT DAMNAT MDCLXXIII D. 22. FEBRUARII

Der Stein bezieht sich auf eine am 22. Februar 1673 als zwölftes Kind tot geborene Tochter von Jakob v. Alvensleben (1629-1674) und seiner Frau Catharina, geb. v. Bülow (1635-1673) aus Gartow. Die Mutter starb vier Wochen später am 20. März 1673 und wurde im Erbbegräbnis der Kirche beigesetzt.

Über die Bedeutung der Symbolik und der Inschrift findet sich bei dem zeitgenössischen Schriftsteller Johannes Prätorius folgende Erklärung:

„Denn was die Kinder anbetrifft so vor der Tauffe gestorben / kan man dieselben nicht verdammen / wenn sie schleunig hinsterben / daß sie die Tauffe nicht bekommen. Denn es heisset: Non privatio sed contempus Sacramenti damnat. Der wird verdammet / der die Sacramenten Christi des HErrn verachtet / und nicht derselbe / der sie nicht haben und bekommen kan. So seynd nun die Seelen solcher Kinder in Gottes Hand.“

Literatur:

  • Johannes Prätorius: Anthropodemus plutonicus. Ander Theil der Newen Weltbeschreibung. Kap. 5: Vom Erdmenschen. Leipzig 1666/67.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Dritter Theil, Berlin 1829, S. 305.
  • Marie-Luise Harksen: Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 222 (Dort wurde angenommen, dass es sich bei dem Stein um den Rest eines Grabsteins handelt).