Epitaph Joachims I. v. Alvensleben (1514-1588)

Epitaph Joachim I. v. Alvensleben, +1588Es ist das bedeutendste und eindrucksvollste Kunstwerk in der Kirche. Vor einem reich geschnitzten Aufbau knien die lebensgroßen Alabasterfiguren des Toten und seiner drei Frauen, Anna v. Bartensleben, Kunigunde v. Münchhausen und Margarete v. der Asseburg. Die beiden Reliefs dahinter zeigen die Auferstehung und Himmelfahrt Christi. An den Seiten stehen in Muschelnischen zwischen Marmorsäulen holzgeschnitzte Figuren, die die Tugenden darstellen. Am Sockel befinden sich gemalte vergoldete Inschriften mit den Lebensdaten der Toten. Das Denkmal ist durch ein sehr schönes Renaissancegitter mit Blättern, Rosetten und Masken geschützt. Auf den oberen Ecken des Gitters stehen vergoldete, gepanzerte Schildhalter mit Wappen der Alvensleben und  Bartensleben.

Die Inschrift - in lateinischer Sprache verfasst – lautet übersetzt: Joachim von Alvensleben, die Ehre, Stütze und Zierde seines Geschlechts, war Gatte dreier Frauen und treuer, vortrefflicher Vater seiner 19 Kinder. Er war der erste tätige Beschützer der Wissenschaften von der Wiege an und Gründer der berühmten Erxleber Bibliothek. Er war ein Mann groß in der Wissenschaft und klug in den Dingen aus Erfahrung, aber größer durch unbescholtene Treue, durch bewährte Sitten und wahre Frömmigkeit, am größten jedoch als treuer Pfleger des Gottesdienstes. Im Alter von 74 Jahren hat er seine Seele Gott und seinen Körper der Erde zur baldigen Auferstehung anheim gegeben, den Ort seines Grabes bezeichnet dieser Marmor und der Vers: ‚Der Du vorübergehst, sprich also: Sanft mögen ruhen die Gebeine des vortrefflichen Mannes.’ Er starb am 12. Februar 1588 im Alter von 74 Jahren (Übersetzung bei Udo Gebhard Ferdinand v. Alvensleben: Die Alvenslebenschen Gemahlinnen aus dem Hause Erxleben-Redekin seit fünfhundertundfünfzig Jahren. Handschrift 1876, S. 33-34).

Die weiteren Inschriften beziehen sich auf seine drei Frauen, die in den Kirchen in Hundisburg, Kalbe/Milde und Eichenbarleben begraben sind. Sie sind in deutscher Sprache verfasst:

ANNO 55 DEN 21 MARTII IST DIE EDLE UND VIEL TUGENDSAME FRAWE ANNA VAN BARTENSCHLEVE JOCHIM VAN ALVENSLEVEN ELICHE HAVSFRAWE IN G… SELIGLICH VERSTORBEN VND LEIT ZV HVNDISBVRCH BEGRABEN.

ANNO 65 DEN 11. DECEMB: IST DIE EDLE VND VIELTUGENDSAME FRAWE KUNIGUNDE VAN MVNNICHAVSEN JOCHIM VAN ALVENSLEVEN ELICHE HAVSFRAWE ZU CALBE SELIGLICH GESTORBEN UMD LEIT AVCH DASELBST BEGRABEN.

Nachträglich aufgetragen, auch erkennbar an der anderen Sprache: ANNO 1606 DEN 24 DECEMBER IST DIE EDELE VND VIELTUGENDSAME EHELICHE FRAU MARGARETHE VON DER ASSEBURG, JOACHIM VON ALVENSLEBEN EHELICHE HAUSFRAU ZU EICHENBARLEBEN SELIG GESTORBEN UND IN DER DASIGEN KIRCHE BEGRABEN.

Joachim I und seine drei Frauen

Die Inschriftentafeln waren von Ahnenwappen eingerahmt. Hildebrandt (1868, S. 93) schreibt dazu: „Über und unter den Inschriften sowie auf den die vier Felder trennenden Streifen waren die Wappen der Ahnen der Verstorbenen angebracht, von denen jedoch nur die nachstehend bezeichneten vorhanden sind (folgt die Nennung und Beschreibung von 16 Wappen).“  Diese Wappen wurden von Harksen (1961) nicht mehr erwähnt.

Die Alabasterfiguren und –reliefs sind wahrscheinlich Arbeiten des Braunschweiger Bildhauers Georg (Jürgen) Röttger, der ein ähnliches Epitaph für Ludolf X. v. A., dem Bruder Joachims I, in Hundisburg und andere Alvenslebensche Grabmäler in Kalbe/Milde und Gardelegen hauptbeteiligt schuf.

Joachim I. war der erste Alvensleben, der in der Schlosskapelle begraben wurde. Wo genau in der Kirche sich sein Grab befindet, ist ungeklärt. Nach ihm wurden weitere Alvensleben im Altarraum beigesetzt. Erst nach 1674 erfolgten die Beisetzungen in den neu geschaffenen Grüften.

 

Grabstein Gebhards v. Alvensleben (1591-1597)

ImageDer bis dahin unbekannte Kindergrabstein wurde erst im März 2007 bei einer Renovierung des Fußbodens vor dem Altar der Schlosskapelle gefunden. Es handelt sich um einen Stein für Gebhard v. Alvensleben (*13.12.1591, gestorben laut Wohlbrück 1597). Er ist ein Enkel von Joachim I. v. A. Die Eltern sind Ludolf XIII. v. A. (1555-1610) und Elisabeth v. der Schulenburg (1574-1600). Neben dem gefundenen Grabstein dürfte noch ein weiterer Stein für die jüngere Schwester Bartha Sophie v. Alvensleben (*1597) liegen, die ebenfalls als Kind starb.

Ludolf XIII. hatte neun Kinder, von denen fünf als Kinder starben. Die drei anderen früh gestorbenen Kinder sind in der Kirche in Markt Alvensleben (heute Bebertal) begraben. Zwei der dortigen Gräber hat man auch erst um 1980 im Fußboden des Altarraumes gefunden, zwei weitere 1927. Die Alvensleben waren bis 1598 Pfandbesitzer der Burg Alvensleben und haben dort auch gewohnt. Um diese Zeit ist Ludolf XIII. nach Erxleben gezogen, weshalb er wohl die beiden 1597 gestorbenen Kinder in der Schlosskapelle beisetzen ließ.

Im Leben von Ludolf XIII. war der Tod nächster Angehöriger ein ständiger Begleiter. Seine Mutter, Anna v. Bartensleben, starb kurz nach seiner Geburt im Kindbett, seine Stiefmutter, Kunigunde v. Münchhausen 1565 an der Pest. Von seinen 18 Geschwistern starben 9 als Kinder bzw. in jungen Jahren, von den eigenen neun Kindern fünf. Schließlich starb seine Frau nach zehnjähriger glücklicher Ehe am 15.7.1600 nach der Geburt des neunten Kindes. Sie wurde ebenfalls in der Schlosskapelle beigesetzt. Es ist wahrscheinlich, dass ihr Grabstein auch noch im Altarraum liegt. Wohlbrück schreibt darüber: „Dieses Missgeschick versetzte den gefühlvollen Mann in große Betrübnis, und machte ihm das Haus Erxleben, wo er bis dahin gewohnt hatte, und wo er zu lebhaft an den erlittenen Verlust erinnert wurde, zuwider“, so dass er Erxleben seinem jüngeren Bruder Gebhard Johann I. (1576-1631) überließ und sich in die Einsamkeit nach Zichtau zurückzog.