Grabsteine für Valentin I. von Alvensleben (1529-1594) und seiner Gemahlin Anna, geb. von Veltheim (1532-1565), Nicolaikirche:

ImageBei Hildebrandt (1868, S. 48/49) findet sich folgende Beschreibung:  ..der Ritter steht zur Linken, die Edeldame zur Rechten des Beschauers. In den oberen Ecken befinden sich die Wappen derer v. Alvensleben und v. Veltheim. Die Umschrift – oben links beginnend – lautet: ANO 1565 DE 29 JUN IST IN GOT ENTSCHLAFEN DI ERBARE VD VILTVGETSAE ANA VO VELTE VALTI VO ALVENSL… ELICHE HAUSFRAW ANO 15.. IST IN GOT VORSCHIDE DER ERVESTER VND ERBARER VALTIN VO ALVESLEVE. Unter der letzten Zeile steht auf dem innern Rande: GEBHARTES SELIGER SON.  Ueber dem Kopf der Dame: IHRES ALTERS 33. 

Neben dem obigen Grabstein befand sich ein sehr einfach gearbeiteter Grabstein für Valentin von Alvensleben und Anna v. Veltheim – von Hildebrandt wie folgt beschrieben:  … die Wappen der beiden Gatten – resp. V. V. A. und A. V. V.  bezeichnet - schmücken die oberen Ecken. Die Inschrift – vertiefte lateinische große Buchstaben – lautet:                                               

ANNO 1565 den 29 jvny ist in Got Entschlafen die erbar vnd viel-dvgentsame Anna von Velten Valtin von Alvensleve elige Havsfraw ihres alters 33 jarAnno _ _ _ _ _ ist in got verschiden der erent-vest vnd erbar Valtin von Alvensleve Gebharts: seligerson seines alters _ _ jar. 

In beiden Steinen sind das Todesdatum und das Alter von Valentin v. A. nicht angegeben. Offenbar wurden sie noch zu seinen Lebzeiten angefertigt und man hat diese Daten nicht mehr nachgetragen, da ihm nach seinem Tode von seinen Söhnen ein sehr viel größeres Denkmal als Epitaph (siehe unten) gesetzt wurde. Valentin wurde von Wohlbrück (Bd. III, s. 69-81) wie folgt charakterisiert: 

ImageSpäter erwarb sich Valentin das Lob eines aufrichtigen Verehrers der Religion. Wenigstens gab er seinen Unterthanen in seiner Hochachtung gegenüber dem öffentlichen Gottesdienst dadurch ein gutes Beispiel, dass er keinen Sonntag oder Festtag versäumte, mit seinen Kindern und Hausgenossen, welche ihn paarweise begleiteten, in einer Art Procession den Gottesdienst zu besuchen. Reiten und Jagen machten seine Lieblingsvergnügungen aus, doch soll er auch den Wissenschaften geneigt, und besonders ein Freund der Geschichte, übrigens ein Biedermann von alter Treue und Glauben, von mildem Charakter und einfachen Sitten gewesen seyn. Seinem Hauswesen stand er als sehr guther Wirth vor, und seine Güter hinterließ er im besten Zustand. Er starb im 65. Jahre seines Alters am 8. Januar 1594. 

Valentin dürfte der Ritter gewesen sein, der in der Sage die Wette um das vierte Tor in Gardelegen verlor. Allerdings ist nach Paul Pflanz (1938) und Edwin Nitter (1939, S. 57) der historische Kern dieser Sage, dass er das Recht an dem Tor dem Rat der Stadt für 100 Goldgulden verkaufte und nicht verwettete. Er heiratete 1555 Anna von Veltheim aus Bartensleben, die junge Witwe von Friedrich X. von Alvensleben aus Rogätz, dem letzten Alvensleben der Roten Linie. Aus dieser Ehe gingen fünf Söhne und eine Tochter hervor. In zweiter Ehe heiratete er 1578 Sophia von Bortfeld. Die Ehe blieb kinderlos. 

 
 
Das Epitaph für Valentin von Alvensleben und seine Familie von 1597
 bis 1945 in der Nicolaikirche, seit 1946 in der Marienkirche

Hierbei handelt es sich um ein oft gelobtes und ausführlich beschriebenes Kunstwerk von großer Bedeutung, geschaffen von den Braunschweiger Bildhauern Jürgen und Hans Röttger und von einem unbekannten Maler aus Gardelegen. Es überstand die Zerstörung der Nicolaikirche 1945 und  wurde restauriert in die Marienkirche überführt. Im unteren Teil sind auf zwei Tafelbildern Valentin, seine beiden Frauen und seine Kinder dargestellt. Links Valentin und seine fünf Söhne, rechts Valentins erste Frau Anna von Veltheim, seine zweite Frau Sophie von Bortfeld, dann seine Tochter Sophie aus erster Ehe und seine Stieftochter Gertrud aus der Ehe Annas von Veltheim mit Friedrich X. von Alvensleben. 

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Vorkriegsbild in der Nicolaikirche
 
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Heutiger Standort in der Marienkirche
 

Literatur:  

  • Christopherus Schultze: Auf- und Abnehmen der löblichen Stadt Gardelegen. Stendal 1668
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Drei Bände, Berlin 1819-1829.
  • Ad. M. Hildebrandt: Die Grabsteine und Epitaphien adeliger Personen in und bei den Kirchen der Altmark, Heft I. die Kreise Salzwedel und Gardelegen umfassend. Gardelegen 1868.
  • Paul Pflanz: Das Grabmal Valentins von Alvensleben in der Nikolaikirche zu Gardelegen. "Lieb' Heimatland". Monatsbeilage des Gardelegener Kreisanzeigers. 5. Jahrgang Nr 2, November 1929.
  • Paul Pflanz: Das Erbbegräbnis der Familie von Alvensleben in der Nicolaikirche zu Gardelegen. Montagsblatt. Wissenschaftliche Beilage der Magdeburgischen Zeitung, Nr. 15 vom 13. April 1931, S. 113-115, S. 126-127.
  • P.J. Meier: Das Kunsthandwerk des Bildhauers in der Stadt Braunschweig seit der Reformation. Braunschweig 1936.
  • Paul Pflanz: Die Gardeleger Stadtbefestigung. "Lieb' Heimatland" Monatsbeilage des Gardelegener Kreisanzeigers. 13. Jahrgang, Nr. 3, Februar-März 1938.
  • Edwin Nitter (Hrsg.): Die weißen Alvensleben auf der Burg Gardelegen. Sonderdruck aus „Heimatbuch Gardelegen“, Band 3, 1939, S. 19-27.
  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor : Grabmäler der Herrn von Alvensleben. Unveröffentlichtes Manuskript 1957.
  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor: Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Dortmund 1960.
  • Wally Schulz: Die Nikolaikirche in Gardelegen. Faltblatt, 2001
  • Mathias Köhler: Die St. Marienkirche in Gardelegen. DKV-Kunstführer Nr. 621/4, München o.J.   
  • Inga Brinkmann: Grabdenkmäler, Grablegen und Begräbniswesen des lutherischen Adels – Adelige Funeralrepräsentation im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert. Berlin/München 2010 (Kunstwissenschaftliche Studien; 163), S. 216-230