Die Alvenslebenschen Grabdenkmäler in der Andreaskirche in Hundisburg

Eine erste Kapelle in Hundisburg datiert auf das Jahr 1218. Sie wurde 1267 zu einer größeren Kirche mit Turm erweitert. Ein weiterer Ausbau erfolgte 1587 durch Ludolf X. v. Alvensleben, worauf eine Inschrift am Nordportal hinweist. 1708 verbreiterte Johann Friedrich II. v. Alvensleben die Kirche nach Süden und fügte das westliche Portal an der Nordseite hinzu, worauf ebenfalls eine Inschrift hinweist. Unter dem Ostteil der Kirche gibt es eine nicht mehr zugängliche Alvenslebensche Gruft. In der Kirche befinden sich drei Alvenslebensche Grabdenkmäler. 

Epitaph für Anna v. Alvensleben, geb. v. Bartensleben (1526-1555)

Grabstein Anna v. Bartensleben - oberer Teil

Sie war die erste Frau von Joachim I. v. Alvensleben (1514-1588) und starb im Wochenbett nach der Geburt ihres vierten Kindes (Ludolf XIII. v. A.) auf der Burg Alvensleben. Das Denkmal - das älteste erhaltene Epitaph der Familie v. Alvensleben - galt eine Zeit lang als verschollen, da es hinter dem früheren Patronatsstuhl eingemauert war. Es ist vom Fußboden überschnitten und deshalb nur teilweise zu sehen. Das Material besteht aus bräunlichen Sandstein und es ist 1,67 m hoch und 1,20 m breit. Sein Aufbau ist zweiteilig: unten eine Schrifttafel mit erhabener Kapitalinschrift, oben ein Hochrelief mit der Auferstehung Christi zwischen rankenverzierten Pilastern. Den oberen Abschluß bildet ein Segmentbogengiebel. Außen neben den Pilastern stehen Engel mit den Wappen v. Alvensleben und v. Bartensleben in einem Feld, das Balustersäulchen und Delphine rahmen. Die Inschrift ist nicht mehr vollständig lesbar, da die Tafel links unten sehr beschädigt ist, jedoch ist die vollständige Inschrift bei Zarnack (Bd. IV, 1776, S. 249) überliefert:

AN : DONI . M. D. LVI. DIE . XXI. MARTIJ DEFUNCTA EST NOBILA AC. HONESTA MATRONA ANNA . DE . BARTENSLEVEN : VX . NOBILIS . VIRI . JOACHIMI AB . ALVENSLEVEN . VERAE RELGIO : STUDIOSISS . FUIT, MARITI . SUI AMANTISS : ET ERGO . PAUPERES BENEFICA RELIQUIAE . VIRTUTES OMNES QUAE FAEMINAE PIAM . ET . HONESTAM DECENT . NON DEFUERUNT UT  . RECTE CUM CELEBERRRIMIS . ET PRESTANTISS : MATRONIS . CONFERR . POTUERIT . IN MATRIMONIO . TANTUM SEX ANNOS VIXIT INTEREA PEPERIT FILIOLOS TRES, ET FILIOLAM UNAM  ITA UT  POST QUARTUM PARTUM IN PUERPESIO RELICTO INFANTULO .  PIE EX HAC VITA  MIGRAVERIT . NATA . ANNOS XXIX EXSPECTAT BEATAM  SPEM RESURRECTIONIO. 

Zarnack erwähnt außerdem einen Leichenstein, der sich vermutlich auf dem Grab in der Gruft befindet, mit folgender Inschrift: „Anno Domini 1555 am Donnerstag nach Oculi … ist die  … Ehr und viel Tugendsahme Frau Anna von Bartensleben, Joachim von Alvensleben ehelich Haus frau in Gott gestorben.“ 

Grabdenkmal für Ludolf X. v. Alvensleben (1511-1596) und seine Familie

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Das Denkmal ist im Altarraum an der Südseite aufgestellt. Die Maße sind: Höhe 6,29 m, Breite 7,49 m, Tiefe 1,03 m. Es besteht aus einem weiß gestrichenen Holzgerüst mit Wappen, Tugendfiguren und Ohrenornamenten aus Holz. Die eingesetzten Reliefs und die Statuen der Alvenslebenschen Familie sind aus weißem Marmor. Eindrucksvoll ist der reiche mehrgeschossige Aufbau: Im untersten vorspringenden Geschoss die Vita der Toten in Goldfraktur auf schwarzem Grund (Holz, von Bankanbauten überdeckt); auf dem Rücksprung knien in Lebensgröße Ludolf X mit seiner Frau Bartha v. Bartensleben, mit drei Söhnen und fünf Töchtern. Sie überschneiden eine Reihe von drei Reliefs, die hinter ihnen angebracht sind: Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Zwischen den Reliefs befinden sich Säulchen, außen Ohrenansätze in Rollwerk mit Engelköpfen, Tugendfiguren und Adlern. Es folgt nach oben ein Relief des Jüngsten Gerichtes, von Hermen flankiert, außen daneben buntfarbige, in Reihen angeordnete Wappen, Rollwerk und Tugendfiguren. Den Abschluss bildet ein Segmentgiebelaufsatz, von der Dreifaltigkeit bekrönt. Im Giebelfeld und an den Seiten Putten mit Sanduhr, Totenkopf usw.

Ludolf X. v. Alvensleben - Nahaufnahme

Das Denkmal wurde vom bekannten Braunschweiger Bildhauer Georg (Jürgen) Röttger gearbeitet, der ähnlich Grabmale auch für Joachim I. v. A. in Erxleben , Valentin I. v. A. in Gardelegen und Ludolf den Roten in Calbe/Milde hauptbeteiligt geschaffen hat. 

 

Epitaph für Karl August I. v. Alvensleben (1661-1697)

Reliefbild von Karl August I in der Andreaskirche Hundisburg   Karl August I, Stich aus der Leichenpredigt

Karl August I. war ein Sohn von Gebhard XXV. v. Alvensleben (1618-1681) und Agnes v. Rautenberg (1647-1685) und jüngerer Bruder des Ministers Johann Friedrich II. v. Alvensleben (1657-1728), starb in Helmstedt und wurde in der neuen Schlosskapelle in Hundisburg begraben. Dort befand sich auch sein Epitaph, dessen Aussehen in einem Stich in seiner Leichenpredigt dokumentiert ist. Als man in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Schlosskapelle umwidmete, baute man die dort befindlichen Epitaphien ab und lagerte die Teile in Abstellräumen. Das Reliefbild von Karl August I. kam in die Dorfkirche nach Uhrsleben und erhielt dort eine neue Inschriftentafel – jedoch mit einer falschen Inschrift, da man das Relief für ein Bild des Ministers Johann Friedrich II hielt. Erst Udo v. A.-Wittenmoor konnte den Irrtum 1936 aufklären. Mitte der 80er Jahre brachte man das Bild mit der Inschriftentafel in die Dorfkirche nach Hundisburg, wo es seitdem an der Südseite des Kirchenschiffes aufgestellt ist. Das Relief ist 69 cm hoch und 56,5 cm breit, besteht aus weißem Marmor und hat einen ovalen verzierten Eichenholzrahmen. Das in Uhrsleben noch vorhandene, bei Harksen erwähnte Alvenslebensche Wappen fehlt. 

Literatur:

  • Gottlieb Leberecht Zarnack: Die Geschichte des hochadeligen Geschlechts derer von Alvensleben. Vier Bände. Eimersleben  1772-1776 (Handschrift)
  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor: Grabmäler der Herren v. Alvensleben. Unveröffentlichtes Manuskript 1957, 32 S.
  • M.L.Harksen: Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 407-425, 556.
  • Ulrich Hauer: Hundisburg in der Zeit der Burgmannen. 2. Teil. Jahresschrift der Museen des Ohrekreises – Haldensleben und Wolmirstedt. Band 3. Haldensleben - Wolmirstedt 1996, S. 20-27 (Kapitel über die Andreaskirche).
  • Inga Brinkmann: Grabdenkmäler, Grablegen und Begräbniswesen des lutherischen Adels – Adelige Funeralrepräsentation im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert. Berlin/München 2010 (Kunstwissenschaftliche Studien; 163), S. 216-230
  • Reimar von Alvensleben: Spuren der Alvensleben in Hundisburg und Umgebung. Herausgegeben von der Familie von Alvensleben e.V., Falkenberg Juni 2010, 28. S.
  • Busso von Alvensleben: Hundisburg. Reihe "Schlösser und Gärten in Sachsen-Anhalt". Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Sachsen-Anhalt e.V. Döbbelin 2011, 28 S.

 Schloss Hundisburg