Die Alvenslebenschen Grabdenkmäler in der Stadtkirche St. Nikolai in Kalbe/Milde 

Die Nicolaikirche in Kalbe ist in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, etwa 1150/1170 gebaut worden. Ein genaues Baujahr ist nicht bekannt. Die Kirche gilt aber als sehr alt unter den altmärkischen Feldsteinkirchen, deren Bauperiode wir zwischen 1150 und 1300 annehmen müssen. Von ihrer ursprünglichen Gestalt gibt nur noch der Turm Zeugnis. Die Kirche ist als vierteilige Feldsteinkirche gebaut, also Turm, Kirchenschiff, Chor und Apsis, wie wir es bei den Kirchen in Altmersleben, Kahrstedt, Bühne, Güssefeld usw. noch sehen. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche durch den großen Umbau von 1754/55. Unter der Kirche gibt es eine Alvenslebensche Gruft. Das Kirchenpatronat lag bis 1945 bei der Familie v. Alvensleben, in der letzten Zeit gemeinsam mit der Familie v. Gossler. 

Votivtafeln von Gebhard XVII. v. Alvensleben (+ 1541) und Fredeke v. Wenden (+1551)

Votivtafel Gebhard XVII. - Vorkriegsbild   Votivtafel Fredeke v. Wenden - Vorkriegsbild

Die ältesten Alvenslebenschen Denkmäler in der Kirche sind zwei Steinbilder oder Votivtafeln mit der Jahreszahl 1520. Sie wurden von Hildebrandt (1868, S. 21) wie folgt beschrieben: „Außerdem wird in dieser Kirche das Gedächtnis Gebhards XVII. v. Alvensleben und seiner Gemahlin Fredeke v. Wenden durch zwei in das südliche Querschiff eingemauerte Sandsteinplatten erhalten. Beide sind ca. 2 Fuß breit und 3 ¼ Fuß hoch; die eine zeigt in erhabener Arbeit die Krönung der Himmelskönigin, - die andere die heilige Jungfrau mit dem Christkinde auf dem Schosse, neben der ein Buch haltenden heiligen Elisabeth sitzend. Unter beiden Darstellungen sind die Wappenschilder Derer v. Alvensleben und v. Wenden mit der Unterschrift: Gevert van alvesleve – vrede van wenden angebracht – an der einen außerdem die Jahreszahl 1520.“ Udo v. Alvensleben-Wittenmoor (1957, S.3) nimmt an, dass die Reliefs – gotisch stilisiert und qualitativ hochstehend - nach Dürer’schen Vorbildern gearbeitet wurden.  

Wie Mülverstedt (III, 1885, S.584) schreibt, ist der Zweck, den die Steinbilder gehabt haben, „nicht unbedingt sicher zu erkennen.“ „Es dürfte aber sehr wahrscheinlich sein, dass sie zweien der zahlreichen in der Hauptpfarrkirche zu Calbe einst befindlichen Altäre ursprünglich angehört und zum Zeichen zweier von dem Ehepaare gestifteten Vicarien gedient haben.“ Die Reliefs sind also keine Grabdenkmäler, da ihre Stifter erst 1541 bzw. 1551 gestorben sind. Gebhard XVII. wurde zwar in der Kirche in Kalbe beigesetzt, sein Grabstein ist aber nicht mehr erhalten.