Grabdenkmäler

Grabstein Antonia v. Mahrenholtz - VorkriegsbildDie nachstehenden Beschreibungen der Grabmäler fußen auf einer Schrift von Pfarrer Siegfried Schneider anläßlich des 1.000jährigen Jubiläums der Stadt Kalbe an der Milde im Jahr 1983 (Chronicon Calbensis). Diese Abhandlung wurde nicht gedruckt, sondern nur als Schreibmaschinendruck bzw. in Kopien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie ist veröffentlicht in der website "Geschichten über Kalbe(Milde)" (www.kalbe-milde.de) und im folgenden ergänzt und überarbeitet worden. Die zehn Denkmäler werden in chronologischer Reihenfolge nach dem Todesjahr aufgeführt.

1. Grabdenkmal für Antonia v. Alvensleben, geb. v. Mahrenholz (1512-1534)

Es befindet sich an der Südwand des Kirchenschiffes, wurde von Hildebrandt (1868) noch nicht beschrieben, ist also erst nach 1868 im Kirchenfußboden gefunden und aufgestellt worden. Sie war die Ehefrau des Achatz v. Alvensleben (+1536) "Erbher auf Calbe und Schenkenhorst", dessen Grabstein im Kloster Neuendorf steht. Dargestellt ist sie als betende Frau. In den Ecken sind vier Wappen angebracht: oben links Alvensleben, oben rechts Mahrenholtz, unten links Blücher (oder Gittelde ?), unten rechts Rabiel (?).  

Die Umschrift des Grabdenkmals lautet:

ANNO DOMINI 1534 DEN 17 JANUARII IST DIE ERBARE UND VIEL TUGENTSAME ANTONIA VON MAHRENHOLT ACHATII VON ALVENSLEBEN EHELICHE HAUSFRAU CHRISTLICH IM HERRN ENTSCHLAFEN IHRES ALTERS IN XXX II JAR. 

 

2. Grabdenkmal für Ludolf IX. von Alvensleben (1510-1562)

Grabstein Ludolf IX. - VorkriegsbildEs steht an der Nordwand des Altarraumes, wird bereits von Bekmann (1753, Sp. 45) und Wohlbrück (II, 1819, S. 470) beschrieben, aber von Hildebrandt nicht erwähnt und dürfte somit nach 1868 wieder entdeckt und aufgestellt worden sein. Ludolf v. Alvensleben, geb. 1510, gest. 28.1.1562, war  ein Sohn von Ludolf VII. (+ 1525) und der Anna v. Moltke und war zweimal verheiratet, I. mit Gödel v. Bülow (+1555), II. mit Maria v. Veltheim (+1575). Bereits im Alter von 19 Jahren kämpfte er 1529 gegen die Türken vor Wien. 1541 wurde er als Kurf. brandenb. Rat Präfekt von Salzwedel und zog ein Jahr danach noch einmal in den Türkenkrieg, dieses Mal nach Ungarn. 

Auf dem Denkmal ist er als Ritter dargestellt, den Helm mit Helmbusch zu Füßen. Wie Wohlbrück schreibt,  sah man, „dass er rothes Haar und einen rothen Bart hatte“, was möglicherweise auf eine früheren Bemalung hindeutet. Der Aufsatz zeigt den auferstandenen Heiland mit der Siegesfahne, zu seinen Füßen rechts die durch eine üppige Frauengestalt verkörperte nackte Sünde, gefesselt an ihren 3 klauigen Füßen, zu seinen Füßen links den in skelettartiger Gestalt dargestellten Tod, dessen Füße gleichfalls durch Ketten gefesselt sind.

Der Aufsatz trägt die Inschrift:ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN; WER AN MICH GLAUBT; DER WIRD LEBEN; OB ER GLEICH STÜRBE (Joh.11)

Der untere Teil des Denkmals (nicht auf dem Bild) trägt folgende Inschrift:ANNO DOMINI 1562. 28.JAN. DIE ET HORA QUO ANTE BIENNIUM SECUN DAS SUAS CELEBRAVIT NUPTIAS FIDE ET INVOCATIONE DIE EX HAC VITA DEGESSIT STRENUUS AC VERE NOBILIS LUDOLPHUS DE ALVENSLEBEN, PRAEFECTUS SOLTWEDELENSIS, VIR MAGNAE AUTORITATIS, PRINCIPIBUS ET ANICIS CHARUS; DE ECCLESIA ET REPUBLICA OPTIME MERITUS, SUMO SUI APUD OES (=omnes) DESIDERIO RELICTO. A. (=Anni) ANTATIS 52

Übersetzung: Im Jahre des Herrn 1562, 28 Jan. zu Tag und Stunde, in welcher er vor 2 Jahren seine zweite Ehe schloß, ist der tatkräftige und wahrhaft edle Ludolf v. Alvensleben im Glauben und unter Anrufung Gottes aus diesem Leben geschieden, Präfekt aus Salzwedel, ein Mann von großer Autorität, von Fürsten und Freunden geliebt, um Kirche und Staat außerordentlich verdient, im höchsten Grade bei Allen Sehnsucht nach ihm hinterlassend. Die Jahre seines Alters 52." 

 

Aufnahme von Henning Krüger 20093. Grabdenkmal für Sophia v. Alvensleben, geb. v. Münchhausen (1530-1563)

Sie war eine Tochter des Hans v. Münchhausen aus dem Hause Rehburg und der Katharina v. Kotze aus Groß Germersleben und starb am 8.1.1563 in Kalbe als 2. Ehefrau des Elias v. Alvensleben (1502-1569). Ihr Grabdenkmal befindet sich im nördlichen Kirchenschiff, hat wenigstens 150 Jahre verborgen unter den Kirchenbänken gelegen und ist am 14.10.1974 anlässlich der Kirchenrenovierung freigelegt und aufgerichtet worden. Dargestellt ist ein Ritter mit seiner Frau. Elias v. Alvensleben hatte Vorsorge getroffen, neben seiner 2. Ehefrau begraben zu werden. Er ist aber am 10.3.1569 in Rogätz gestorben und dort begraben, wo die Reste seines Grabsteines von Wohlbrück (1819) noch gesehen wurden. Die Umschrift mit einigen unleserlichen Stellen lautet:

ANNO 1563 FRIETAGS NACH TRIUM REGUM IST DIE ERBARE UND TUGENSAME............VON DIESER WELT VORSCHIEDEN UND IN GOTT ENTSCHLAFEN DER SEELE GOTT GNEDIG SEY SEINES ALTERS.... JAHRE IHRES ALTERS 33 JAHRE. 

Zu den Füßen der Verstorbenen befinden sich die Wappen Alvensleben und Münchhausen.

 

 

 

 

4. Grabdenkmal für Kunigunde v. Alvensleben, geb. v. Münchhausen (1534-1565)

Sie war die 2. Ehefrau des Joachim I. v. Alvensleben (1514-1588) und Schwester der o.g. Sophia v. Münchhausen. Wegen einer drohenden Pest war sie von Erxleben nach Kalbe gekommen, starb hier am 3.12.1565 und wurde neben ihrer Schwester begraben. Das Grabdenkmal wurde von Hildebrandt noch nicht erwähnt und ist somit erst nach 1868 wieder entdeckt und an der Nordwand des Kirchenschiffes aufgestellt worden. Es zeigt sie mit ihrem Ehemann, der Vorsorge getroffen hatte, neben ihr begraben zu werden (darauf lässt der Text des Steines schließen), in Wirklichkeit aber 1588 in der Schlosskapelle zu Erxleben beigesetzt wurde. Die Umschrift des Denkmals ist stark beschädigt bzw. abgetreten, so dass nur Reste der Inschrift entziffert werden können:

ANO 1565 DE 3 DECEMBRIS IST DIE ERRENVESTE UND TUGEND .......................................... VEGHAUSEN................JOCHIM................EHELICH HAUSFRAWE IN GOT ENTSCHLAFEN / ANO 15 .........................IST DER ERVESTER UND.............................HIN VO ALV......................... IN GOT VERSCHIDEN: DER SELE GOT GNEDIG UND BARMHERZIG SEI 

Oben links ist das Alvenslebensche Wappen und oben rechts das Münchhausensche angebracht. Unten links (nicht mehr erkennbar) dürfte sich das Wappen für Fredeke v. Wenden, der Mutter von Joachim I., befinden und unten rechts das der Katharina v. Kotze, der Mutter der Verstorbenen.