Alvenslebensche Grablege in Kloster Mariental

Etwa 250 Jahre (bis 1551) diente das Kloster Mariental als Grablege der Familie von Alvensleben.  Wie viele Familienmitglieder dort begraben wurden, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die meisten Grabplatten gingen im Laufe der Zeit verloren. Sie wurden zumeist als Baumaterial oder zum Wegebau wiederverwendet. 1882 waren nur noch drei Steine soweit erhalten, dass man ihre Inschriften lesen und aufzeichnen konnte (Strombeck,1882). Es waren dies die Steine für

  • Gertrud, Gemahlin des Heinrich (II.) v. Alvensleben, + 1324
  • Ritter Burchard (Busse I.) v.  Alvensleben, + 1358
  • Heinrich (XI.) v.  Alvensleben, + 1484.

Aber auch danach legte man noch keinen Wert auf den Erhalt der mittelalterlichen Grabdenkmäler. Vermutlich während der Bauarbeiten zwischen 1879 und 1895 gingen weiterhin die beiden Grabplatten für Gertrud und Burchard von Alvensleben verloren. Um das Grabmal Heinrichs XI. zu erhalten, verbrachten es die Alvensleben aus Erxleben 1891 in die dortige Schlosskapelle, wo es sich heute noch befindet.

 

1. Grabstein für Gertrud v. Alvensleben (+ 1324)

Dieser Stein, der 1882 noch vollständig erhalten und danach verschollen war, wurde im Zuge der bauhistorischen und archäologischen Untersuchungen nach 1985 wiedergefunden – allerdings nur noch als Fragment. Seine Identifizierung erfolgte 1992-1996 durch Sabine Wehking und Christine Wulf im Rahmen eines weiteren Forschungsprojektes unter Zuhilfenahme der o.g. Arbeit von Strombeck. Erhalten blieb nur die untere Hälfte des Steins, den Wehking/Wulf wie folgt beschrieben haben: „Er zeigt eine zwischen zwei Linien umlaufende Inschrift und den unteren Teil einer in Ritzzeichnung dargestellten Figur. Sowohl die Reste der Darstellung als auch die Buchstaben der Inschrift lassen erkennen, dass es sich um eine besonders qualitätsvoll ausgeführte Grabplatte handelte.“

Die erhaltenen, durch die Angaben von Strombeck ergänzten Teile der Inschrift haben folgenden Wortlaut:

… MCCCXXIIII IN DIE SANCTI GEORGII O(BIIT) D(OMI)NA G(ER)TRUDIS UXOR D(OMI)NI HENRICI DE ARXLEVE …

(… 1324 am Tag des heiligen Georg (23. April) starb Frau Gertrud, die Gattin des Herrn Heinrich von Erxleben…).

Das Fragment ist 86 cm hoch und 85,5 cm breit, die Buchstabenhöhe 6 cm. Im oberen, nicht mehr erhaltenen Teil befand sich das Alvenslebensche Wappen.

Gertrud dürfte die Frau Heinrichs II. v. Alvensleben (urk. 1310-1350) auf Erxleben (Rote Linie) gewesen sein, über deren Existenz bisher nichts bekannt war. Ihre Herkunft bleibt weiter unbekannt. Ihr wiederentdeckter Grabstein ist nunmehr das älteste bekannte Grabdenkmal der Familie v. Alvensleben. Bisher galt dies für die Grabplatte von Oda v. Alvensleben, geb. v. Bodendiek in Kloster Neuendorf, die jedoch 1324 noch lebte und wahrscheinlich erst nach 1334 gestorben ist.

Wenn man beide Grabsteine miteinander vergleicht, kann man sich vorstellen, wie der obere Teil des Fragments ausgesehen haben könnte. Möglicherweise stammen sie sogar aus der gleichen Werkstatt. Denn Odas Mann, Albrecht I. v. Alvensleben (urk. 1304-1336), der 1324 die Burg Calbe erwarb, unterhielt zu dieser Zeit noch enge Beziehungen zum Kloster Mariental, wie eine Urkunde von 1334 ausweist.

 

2. Grabstein für Burchard (Busse I.) v. Alvensleben (+ 1358)

Von Strombeck wurde die Inschrift dieser Grabplatte wie folgt überliefert:

… MCCCLVIII obiit Borchardus miles de Alvensleve in die dece….

(… 1358 starb der Ritter Burchard von Alvensleben am …Tag des Dezember…)

Der Grabstein selbst ist nicht mehr auffindbar bzw. – falls er noch vorhanden ist -  nicht mehr identifizierbar.

Burchard ist mit Busse I. v. Alvensleben (urk. 1338-1357) identisch. In lateinischen Urkunden wird der deutsche Name Busse seinem Ursprung gemäß zumeist durch Borchardus oder Burchardus übersetzt (Wohlbrück I, S.359). Er war ein Sohn von Heinrich II. und Gertraud v. Alvensleben und mit Elisabeth v. Dorstadt verheiratet. Durch die nunmehr entdeckte Grabinschrift erfahren wir Näheres über sein bisher noch unbekanntes Todesdatum.

 

3. Grabstein Heinrichs XI. v. Alvensleben (+ 1484)

Wie bereits erwähnt befindet sich dieser Stein jetzt in der Schlosskirche Erxleben und ist dort näher beschrieben.

Literatur:

  • Wohlbrück I (1819)
  • Hilmar von Strombeck, Ausarbeitungen und Collectanea zur Geschichte des Klosters Mariental (1882), Staatsarchiv Wolfenbüttel, Handschriften VII B, Nr. 349.
  • Christof Römer (Hrsg.): Das Zisterzienserkloster Mariental bei Helmstedt: 1138-1988. Dt. Kunstverlag, 2. verbesserte Auflage 1989.
  • Sabine Wehking und Christine Wulf: Die Inschriften und Graffiti des Klosters Mariental. Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 77, 1996, S. 47-150