ImageEpitaph oder Votivtafel für Ludolf X. von Alvensleben (1511-1596) und seine Frau Bartha von Bartensleben (1514-1587)

Es handelt sich vermutlich um den Überrest eines Gemälde-Epitaphs, das sich früher in der Dorfkirche oder in der Burgkapelle befand. Bis 1945 wurde es im Schloss Neugattersleben aufbewahrt und danach in die dortige Kirche überführt, wo es im Südflügel aufgehängt ist. In einem oben halbrund abgeschlossenen Gemälde sind die Verstorbenen kniend unter einem Kruzifix dargestellt.

Nach Udo von Alvensleben-Wittenmoor gleicht es dem Doppelbildnis Joachims und Elisabeths von der Schulenburg von 1604 am Epitaph im Dome zu Braunschweig, signiert von Jürgen Röttger und Floris von der Mürtel, der der Maler war (P.J. Meier, Abb. 64). Es sei anzunehmen, dass das Denkmal für Ludolf X. in Neugattersleben aus der gleichen Werkstatt stammte und eine ähnliche Renaissance-Architektur als Rahmen aufwies. Wahrscheinlich handele es sich um eine Votivtafel, da sich das Grabmal des Paares am Beisetzungsort Hundisburg befindet.

Vermutlich wurde das Werk von dem 1609 verstorbenen Sohn des Paares, Gebhard XXII. von Alvensleben gestiftet, da dieser in seinem Testamente 1200 Thaler für die Errichtung von zwei Denkmälern für sich und seinen Vater bestimmte (Wohlbrück, Bd. III, S. 27).  

 

Epitaph und Grabstein für Gebhard XXII. von Alvensleben (1543-1609)

Hierzu schrieb Kamlah 1896:  „Einen besonderen Schmuck barg die alte Kirche in dem kunstvollen, aus Marmor, Alabaster und Sandstein hergestellten Epitaphium. Dasselbe stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts… Leider war dasselbe im dreißigjährigen wie im Freiheitskriege arg verstümmelt und durch die nördliche Empore vollständig verbaut.“  Es ist 6,75 m hoch und 5,25 m breit, wurde im Zuge des Kirchenneu-baus renoviert und im Südflügel wieder aufgestellt.

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F. Wolff hat es in Nr. 20 (Juni 1902) der Chronik von Kamlah ausführlich beschrieben und gewürdigt:  „Das Denkmal zeigt einen schön gegliederten, dreiteiligen Aufbau im Stile der Spätrennaissance. Eine Plattform mit einem kräftig ausladenen Karnies, gestützt von 2 markigen Trägern und 2 überstehenden Kopfsäulen, bildet den Abschluss des unteren Teiles. In der Mitte des letzteren ist das Alvenslebensche Wappen, und ihm zu beiden Seiten sind Gedenktafeln mit den Namen der Kirchenpatrone seit 1573. Über der Mitte der Plattform erhebt sich auf einer durchgehenden Basis die Kreuzigungsgruppe in teilweis klassischer Ausführung. Der gekreuzigte Heiland hat soeben ausgerungen, ihm zur Seite hängen die beiden Schächer mit verzerrten Gliedmaßen. Maria Magdalena umklammert inbrünstig das Kreuz und hat das schmerzumbebte Auge auf den Erlöser gerichtet. Maria, die Mutter Jesu sinkt den anderen Frauen ohnmächtig in die Arme, und es erfüllt sich an ihr das Wort Simeons: Es wird ein Schwert durch Deine Seele dringen. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu steht, vom Schmerz überwältigt, abseits und verbirgt weinend sein Angesicht in der rechten Hand, dahinter sieht man in würdiger Haltung eine Porträtfigur, wahrscheinlich diejenige des Künstlers. Einen grellen Gegensatz hierzu bilden die höhnenden Pharisäer und die teilnahmslosen Kriegsknechte, welche um den Mantel Jesu losen. Die Gestalten sind durchweg lebenswahr behandelt, manche Figuren treten vollständig heraus, manche sind im Hochrelief und andere im Flachrelief dargestellt. Der Künstler erzielt damit eine perspektivische Wirkung. Rechts und links von dieser Gruppe stehen in halbrunden Nischen die Statuetten der 4 Apostel Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Zwischen diesen erheben sich sechs antikisierende Säulen mit schwarzen Marmorschaft, weißen korinthischen Kapitälen und barock verzierten Marmorfuß. Dieselben tragen ein stark hervortretendes Gesims, das in der Mitte unterbrochen ist durch die von Engeln gehaltenen Marterwerkzeuge. Das Mittelfeld des obern Teiles bildet die Auferstehungsgruppe, die nicht so ganz meisterhaft behandelt und etwas zu sehr dramatisch belebt ist. Schön ist der Gesichtsausdruck des triumphierenden Christus. Rechts und links hiervon stehen wiederum in Nischen die beiden Evangelisten Matthäus und Lucas, den Abschluss auf der einen Seite bildet ein Marmorrelief der Geburt und auf der anderen Seite der Taufe Christi. Über dem Ganzen thront Gott der Vater von Engeln umgeben mit der Weltkugel in der Hand. Möchte dieses Kunstwerk stets recht verstanden und gewürdigt werden, damit es vor Zerstörung bewahrt bleibt.“ 

Mittelteil des Epitaphs

Während Kamlah und Wolff vermuten, dass dieses Epitaph Ludolf X. gewidmet ist und von dem Braunschweiger Bildhauer Jürgen Röttger stammt, der auch dessen Grabmal in Hundisburg geschaffen hat, ordnet Udo von Alvensleben-Wittenmoor es dem Sohn Gebhard XXII. und der Magdeburger Schule zu. Als Bildhauer käme Lulef Bartels infrage, der ein Mitarbeiter Röttgers war. Stifterfiguren, wie in dem Hundisburger Denkmal, fehlen, müssten aber vorhanden gewesen sein. 

Neben dem Epitaph gibt es einen Grabstein, der Gebhard XXII. von Alvensleben und seine dritte Frau Sophia von Mandelsloh (+ 1611) in Lebensgröße darstellt. Er ist bei Kamlah und Wolff noch nicht erwähnt, befindet sich aber in der Aufstellung der Alvenslebenschen Grabmäler von Udo von Alvensleben-Wittenmoor und ist jetzt in der 1889 erbauten Begräbnishalle der Familie nördlich der Kirche aufgestellt.

Gebhard XXII., der in Langenstein gestorben war, hatte in der Kirche in Hohendorf für sich und seine Nachkommen ein Gräbnisgewölbe errichten lassen und dafür in seinem Testament 500 Thaler eingesetzt (Wohlbrück, III. Band, S. 27). Vermutlich befand sich dieser Stein ursprünglich in der Gruft. Er hat Ähnlichkeit mit dem Grabstein von Ludolf XI., den Frommen, von Alvensleben (+1610) in Zichtau und dürfte mit der Werkstatt Jürgen Röttgers in Zusammenhang stehen.

 

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Aufnahme 1935 

Aufnahme 2006