Die Kirche in Rogätz und die Grabmäler der Familie von Alvensleben

Udo v. Alvensleben-Wittenmoor schreibt 1940 über die Kirche, deren Ausstattung und die Grabmäler in Rogätz: „In der heutigen Kirche entdecken wir noch den Kern der romanischen Schlosskapelle. Im Zeitalter der Reformation erfuhr sie eine Erweiterung. Bis dahin hatten die Alvensleben der Roten Linie sich in den Klöstern Marienthal bei Helmstedt und Althaldensleben beisetzen lassen. Nun wurde die Schlosskapelle von den Rogätzer Herren zu ihrer Grabstätte bestimmt. Neben den Grabsteinen der Ritter v. Erxleben in der Stiftskirche zu Wolmirstedt sind die der Alvensleben zu Rogätz die ältesten des Kreises. Die Jahreszahl 1700 am Westportal gedenkt einer Erneuerung der Kirche durch den Großbritannischen Geheimen Staatsminister Johann Friedrich II. v. Alvensleben, der den Rogätzer Kirchturm mit der gleichen „welschen Haube“ bekrönen ließ, wie Türme seines Schlosses in Hundisburg. Auf der Wetterfahne steht: W.U. (Werner Ulrich) v.A. 1820.“

Image„Die Ausstattung des 16. Jahrhunderts ist allen Zerstörungen zum Trotz vorzüglich erhalten. Eine Holztonne überwölbt das Schiff. Den Renaissance-Altar mit dem Gemälde der Auferstehung Christi ist von Albrecht IX. v. Alvensleben (1557-1617)  1586 gestiftet. An der Kanzel von 1570 umrahmen gedrehte Säulen fünf Alabaster-Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben Jesu.“ 

Der Taufstein

Ein besonders wertvolles Kunstwerk ist der Taufstein, der ebenfalls 1586 von Albrecht IX. v. A. gestiftet wurde. Nach Udo v. Alvensleben-Wittenmoor ist der Meister wahrscheinlich Jürgen Röttger in Braunschweig gewesen, der viel für die Alvensleben gearbeitet hat, und von dem sich ähnliche Taufsteine in Klein-Oschersleben  (von 1578) und in Berge bei Gardelegen finden. Bergner (1911, S. 95) beschreibt ihn als „köstliches Werk in Sandstein, im Kern ein kräftig profilierter Pokal auf kurzem Schaft, daran unten vier lautespielende, nackte Engelputten, oben die vier Evangelisten mit ihren Symbolen, dazwischen vier Wappen (Alvensleben, Jagow, Kotze, Schulenburg). Für die frische urwüchsige Art des Künstlers ist bezeichnend, dass er diese Figuren ohne Rahmen oder architektonische Einfassung frei an den Kern ansetzte und selbst im Relief weit über das gewöhnliche Maß, bis zur Vollfigur, hinausging. So entsteht ein lebhafter Kontur und eine kräftige Schattenwirkung. Auch die Köpfe, das Nackte, die Gewandung sind frisch, saftig, fast übermütig gebildet.“ 

Grabmal für Reimar I. v. Alvensleben (1529-1568)

ImageÜber ihn schreibt Udo v. Alvensleben-Wittenmoor: „Der eindrucksvollste Stein ist der von Reimar I. v. Alvensleben, gestorben 1568, der im Triumpfbogen eingelassen wurde. Scharf und streng treten die Züge der stark bewegten gepanzerten Gestalt hervor, darüber als Aufsatz ein nicht dazu gehörendes Relief, das die Auferstehung darstellt. Die Inschrift lautet: ANNO DOMINI: 1568 D. 30. APRILIS STRENVVS AC VERE NOBILIS VIR REIMARVS DE ALVENSLEBEN PIE AC PLACIDE IN VERA INVOVATIONE FILII DIE EX HAC VITA DECESSIT AETATIS SVAE 39: CVIVS ANIMA IN SINV CHRISTI REQVIESCET. Daran die Wappen der Eltern: Alvensleben und Mahrenholtz.“

Reimar I. war ein  Sohn von Achaz I. v. A. (+ 1536 – Grabstein in Kloster Neuendorf)) und der Antonia v. Mahrenholz (+ 1534 – Grabstein in Kalbe/Milde). Er war somit ein Bruder von Anna (+ 1545 – Grabstein in Kloster Neuendorf)  und Albrecht VIII. v. A. (+ 1564), der ebenfalls in Rogätz begraben ist.

 Grabsteine für Reimar I.  v. Alvensleben (+ 1568) und für Achaz II v. Alvensleben (1560-1564)

Neben dem Epitaph erhielt Reimar I. einen Grabstein, der nach Wohlbrück ursprünglich in der Kirche lag und sich zu seiner Zeit (um 1800) bereits an der Außenwand der später angebauten Sakristei befand.

Von diesem Stein fehlen der untere Teil und die rechte obere Ecke. Oben links ist das Alvensleben-Wappen gut erhalten. Oben rechts befand sich wahrscheinlich das Wappen der Mutter Mahrenholtz. Bergner beschreibt den Stein wie folgt: „Der Verstorbene hält die dick behandschuhten Hände ziemlich hilflos über Dolch und Schwertgriff. Der Kopf ist jedoch gut und lebensvoll." Die zweizeilige Umschrift ist nur teilweise erhalten, war zeitweilig mit Kalk überstrichen und deshalb schwer lesbar Sie lautet: (Anno) DOMINI 1568 DEN 30 APRILIS IST DER ERN (veste) …(erb)ARE REIMART von ALVEN(sleben) … ACHATII SELGER SON CHRITLICH IM (Herrn entschl)AFFEN SEINES ALTERS IM 39 (Jahr).“  Da Todesdatum und -alter sowie der Vorname schwer lesbar waren, hat Bergner den Stein einem Reinhart von Alvensleben (+1560) zugeschrieben.

Daneben steht ein Kindergrabstein für Achaz II. v. A. Er war der einzige Sohn von Albrecht VIII. v. Alvensleben (1531-1564) und der Anna v. Kotze, überlebte seinen Vater nur um elf Tage und starb am 6. Juni 1564 (Wohlbrück III., S. 82). Der Stein zeigt einen betenden Knaben in Wams und gepufften Pluderhosen. Oben links das Wappen Alvensleben, oben rechts Kotze. Die Inschrift lautet: Anno 1564 den 6. Jun ist Achatius von Alvensleben Albrechts Son in got seliclich entschlaffen Seins Alters im 4. Jare. 

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Verlorene Grabsteine

Der Grabstein Albrechts VIII. v. Alvensleben (1531-1564) ist verschwunden. Er trug die Inschrift: AO 1564 DEN XXVI … EHRENVESTE ALBRECHT VON ALVENSLEBEN ACH(atii) SON … SEINES ALTERS XXXIII JAR. und war schon 1800 nicht mehr vorhanden (Wohlbrück III., 1829, S. 14). 

Verloren gegangen ist weiterhin das gemeinsame Denkmal dreier Töchter Joachims I. v. Alvensleben, Cunigunde, Clara und Gisela v. Alvensleben. Es war 1870 noch vorhanden und wurde von Zarnack (1775) wie folgt beschrieben: „In der Kirche zu Rogätz findet sich folgende Inscription: ‚Anno 1571 den 29. Novembris hat die Edle Tugendsame Margarethe von der Asseburgk, Joachims Hausfrave ihm eine Tochter in Rogetz geboren, die dasselbst getaufft und Cunigunda genannt, folgendes des 16. Decembris gestorben. Anno 1577 den 19. Junii hat dieselbe ihm zwo Töchter zu Rogetz gebohren, die auch dasselbst getaufft, die erste Clara, die andere Gisela genannt. Gisel aber ist denselben Tag und Clara folgendes den 24. Junii in Gott verschieden. Sind alle drey in dieser Kirche begraben, welchen Gott eine fröhliche Auferstehung verleihe. Amen.’“

Literatur

  • G.L. Zarnack: Die Geschichte des hochadligen Geschlechts derer von Alvensleben. Handschrift. Vier Bände 1772-1776.
  • S.W. Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern, Dritter Band,  Berlin 1829.
  • Heinrich Bergner: Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolmirstedt. Halle 1911.
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor : Die Burg Rogätz und die Alvensleben (1369-1850). Verfasst 1940, bearbeitet von Reimar v. Alvensleben. Falkenberg 2012, 37 S.