Joachim I. v. Alvensleben (1514-1588)
Burgherr in Erxleben, Gelehrter und Reformator

Joachim I. v. AlvenslebenEr wurde 7.4.1514 als zweiter Sohn des Landeshauptmanns Gebhard XVII. v. Alvensleben (+ 1541) und der Fredeke v. Wenden (+ 1551) und als jüngerer Bruder von Ludolf X. (1510-1596) in Hundisburg geboren. Bereits 1526, d.h. mit zwölf Jahren bezog er die Universität in Leipzig, wechselte 1534 an die Universität Wittenberg, wo er auch Martin Luther hörte, und setzte die Studien 1538  in Padua und Paris fort, bis ihn der Tod seines Vaters 1541 in die Heimat zurückrief. Ziel dieser umfassenden wissenschaftlichen Ausbildung war, die Voraussetzungen für eine Nachfolge seines Onkels Busso X. v. Alvensleben (1468-1548) als Bischof von Havelberg zu schaffen. 

1544 trat er zunächst als erzbischöflich magdeburgischer Hofrat in den Dienst von Kardinal Albrecht von Brandenburg. Bereits 1546 legte er dieses Amt aber nieder und bekannte sich zur Augsburger Konfession, blieb jedoch brandenburgischer Geheimer Rat. Nach der Niederlage der Lutheraner im Schmalkaldischen Krieg 1547 gegen Kaiser Karl V. verhandelte Joachim im Auftrag der magdeburgischen Landstände mit dem Kaiser und Herzog Alba in Augsburg. Als 1548 auf Geheiß des Kaisers das „Augsburger Interim“ eingeführt werden sollte, lehnte er diese kaiserliche Religionsformel zusammen mit einigen gleichgesinnten Freunden und den Abgeordneten der Stadt Halle auf den Landtagen in Staßfurt und Aschersleben ab.  

Joachim wohnte teils in Erxleben, teils auf Burg Alvensleben. Im Winter hielt er sich öfter in Magdeburg auf, wo er 1556 ein Haus erworben hatte. Von 1570 bis 1582 hatte er seinen Hauptwohnsitz in Rogätz, um für die unmündigen Kinder seines dort verstorbenen Vetters Eliaz I. zu sorgen, deren Vormund er war. In dieser Zeit, von 1571 bis 1574, lebte auf der Burg Rogätz auch der Magister der Philosophie, Cyriacus Edinus, mit dem er eng zusammenarbeitete und der 1581 eine in lateinischen Hexametern abgefasste Familiengeschichte veröffentlchte.

Neben der Verwaltung seiner Güter widmete er sich den Wissenschaften, sammelte eine umfangreiche Bibliothek und stand im Briefwechsel mit führenden protestantischen Theologen und Rechtsgelehrten. Wegen seiner hohen Bildung erhielt er den Beinamen „Miraculum Saxoniae“. Sein Wahlspruch lautete in Anlehnung an Seneca: Vita sine literis mors est et viri hominis sepultura (Ein Leben ohne Wissenschaften bedeutet Tod und Lebendigbegrabensein).  

Da die lutherische Kirche nach dem Tode Luthers (1546) in verschiedene Richtungen aufgespalten war, die sich zeitweise erbittert bekämpften, ließ er zusammen mit seinem Schwager Andreas v. Meyendorf für den eigenen Einfluss- und Verantwortungsbereich ein umfangreiches Glaubensbekenntnis schreiben und durch die führenden Theologen seiner Zeit bestätigen. Zu ihnen gehörten Johannes Aurifaber, Martin Chemnitz, Tilemann Heßhusen, Christoph Irenäus, Timotheus Kirchner, Joachim Mörlin, Simon Musäus, Bartholomäus Rosinus, Cyriakus Spangenberg und Johann Wigand. Letzterer war auch der Verfasser der Schrift. Sie kam zunächst (1563/1566) ohne Nennung seines Namens in Umlauf. 1582 ließ Wigand sie unter eigenen Namen in Jena drucken. Als sich die protestantischen Parteien im Jahre 1577 schließlich auf die sogenannte Konkordienformel einigten, hat Joachim dies nachdrücklich unterstützt. 

Joachim war dreimal verheiratet, (1) mit Anna v. Bartensleben (1526-1555), (2) mit Kunigunde v. Münchhausen (1534-1565) und (3) mit Margaretha v. der Asseburg (1541-1607), und hatte neunzehn Kinder, von denen ihn aber nur elf überlebten. Er starb am 12.2.1588 auf der Burg Alvensleben. Sein von dem Braunschweiger Bildhauer Jürgen Röttger geschaffenes Grabdenkmal befindet sich in der Schlosskapelle in Erxleben. Es zeigt ihn in Lebensgröße knieend gegenüber seinen drei Frauen. 

Literatur

  • Christoph Volkmar: Die Reformation der Junker. Landadel und lutherische Konfessionsbildung im Mittelelberaum. In: Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte Band 92, 359 S. Göttimgen 2019.
  • Reformation auf dem Lande. Das Glaubensbekenntnis des Joachim von Alvensleben. Ausstellung auf Schloss Hundisburg vom 30.4. bis 15.10.2017 - Begleitheft (27 S.). Herausgegeben von KULTUR-Landschaft-Haldensleben-Hundisburg e.V. Mai 2017.
  • Reimar von Alvensleben: Die Rückführung der Alvenslebenschen Bibliothek in ihre Heimatregion. In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen und Anhalt. Hrsg.: Ulrike Höroldt und Christoph Volkmar. Band 28/2016, S. 235-264.
  • Berthold Heinecke und Reimar von Alvensleben (Hrsg.): Lesen, Sammeln. Bewahren - Die Bibliothek Joachims von Alvensleben (1514-1588) und die Erforschung frühneuzeitlicher Büchersammlungen, Tagung auf Schloss Hundisburg vom 11..9. bis 13.9.2014, Frankfurt am Main : Vittorio Klostermann, 2016 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie: Sonderband 119).
  • Christoph Volkmar: Joachim von Alvensleben und die Reformation. Vorträge anlässlich der Festveranstaltung zum 500. Geburtstag von Joachim von Alvensleben (1514-1588) am 6. Juli 2014 in der Schlosskirche Erxleben. Herausgegeben vom Förderkreis Schlosskirche Erxleben e.V., April 2015, S. 6-16.
  • Ulrich Hauer: Die Bibliothek der Familie von Alvensleben. In: Katrin Dziekan, Ute Pott (Hrsg): Lesewelten - Historische Bibliotheken - Büchersammlungen des 18. Jahrhunderts in Museen und Bibliotheken Sachsen-Anhalts. Mitteldeutscher Verlag Halle 2011, S. 172--192.
  • Werner Arnold: Adelsbildung in Mitteldeutschland: Joachim von Alvensleben und seine Bibliothek. In: Bibliotheken und Bücher im Zeitalter der Renaissance. Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung 16. Wiesbaden 1997, S. 167-194 - auch veröffentlicht in: Berthold Heinecke, Hartmut Hecht (Hrsg.): Am Mittelpunkt der zwischen Hannover und Berlin vorfallenden Mitteilungen. Gottfried Wilhelm Leibniz in Hundisburg. Beiträge zur Tagung in Hundisburg am 18.9.2004, S. 75-95.
  • Joachim von Alvenslebens Christliches Glaubensbekenntnis nebst Approbation der vornehmsten Theologen seiner Zeit im Jahre 1566. Gedruckt in Stendal 1854, Nachdruck ergänzt um eine Lebensbeschreibung des Verfassers von Udo v. Alvensleben-Falkenberg sowie Erläuterungen und Biografien der Votanten von Wulf Piper, Freiburg 1986.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Band II, Berlin 1819, S. 415-463.
  • Fritz Schwerin: Fünf Edelleute aus den vorigen Tagen. Halle 1859, S. 126-131
  • J.P. Meier: Die Meister des Alvenslebenschen Epitaphs in Erxleben von 1589. In Montagsblatt 1935, Jg. 77, Nr. 9
  • Neue Deutsche Biographie, Band I. (1952), S. 233
  • Marie-Luise Harksen: Die Kunstdenmale des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 268
  • Martin Wiehle: Altmark-Persönlichkeiten. Biographisches Lexikon der Altmark, des Elbe-Havel-Landes und des Jerichower Landes. Beiträge zur Kulturgeschichte der Altmark und ihrer Randgebiete, Band 5, Oschersleben 1999, S. 10/11 

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