Karl August I. v. Alvensleben (1661-1697)
Hofrat des Kurfürsten von Hannover,  Domherr zu Magdeburg und Privatgelehrter

Karl August I. v. AlvenslebenEr wurde am 5.4.1661 als dritter Sohn des Magdeburger Geheimen Rates Gebhard XXV. v. Alvensleben  (1618-1681) und der Agnes v. Rautenberg (1616-1686) in Halle geboren. Sein älterer Bruder war der spätere Hannoversche Minister Johann Friedrich II. v. Alvensleben. Schon als Kind galt er als hochbegabt und beherrschte bald fünf Fremdsprachen (griechisch, lateinisch, französisch, italienisch, spanisch). Nur seine Englischkenntnisse waren mäßig. Im Alter von sechzehn Jahren besuchte er die Universität Leipzig, musste aber sein Studium wegen der Pest 1680 abbrechen. Von 1682 bis 1684 unternahm er eine Bildungsreise durch die spanischen Niederlande nach Paris.

1685 bestellte ihn Herzog Ernst August von Hannover zum Hofjunker. Als solcher begleitete er die Prinzen Christian und Ernst August von 1686 bis 1689 auf einer Bildungsreise nach Frankreich und Italien. Nach seiner Rückkehr wurde er Hofrat und für diplomatische Missionen eingesetzt, u.a. nach Spanien, wo er bis 1691 blieb.

Nach seiner Rückkehr heiratete er Ehrengard v. der Schulenburg, die Schwägerin seines Bruders. Die Ehe blieb kinderlos. 1692 nahm er aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied aus dem Hofdienst und zog auf das Gut Neugattersleben, das ihm im Erbvergleich mit seinem Bruder zugefallen war. 1696 übernahm er ein Domherrenamt in Magdeburg und zog dorthin, starb aber ein Jahr später am 23.7.1997 in Helmstedt im Alter von 36 Jahren und wurde in der Schlosskapelle in Hundisburg beigesetzt. Die Reste seines Epitaphes befinden sich in der dortigen Andreaskirche.

Wissenschaftliche Interessen

Karl August hatte vielseitige wissenschaftliche Interessen und benutzte dabei die umfassende Bibliothek seines Vaters. Hierbei stand er von 1685 bis zu seinem frühen Tode 1697 im Austausch mit Leibniz, den er bei seinen historischen Forschungen unterstützte. Berühmt ist eine in der Leibniz-Literatur viel zitierte Szene: 1705 erinnerte Leibniz die Kurfürstin an eine Begebenheit, als er ihr seine Theorie von den einfachen Substanzen erläuterte: „Es gibt … niemals eine völlige Gleichartigkeit im Großen wie im Kleinen. Das hat Eure Kurfürstliche Hoheit genau gewusst, als Sie im Garten von Herrenhausen dem verstorbenen Herr von Alvensleben sagte, er solle sehen, ob er zwei vollständig gleichartige Blätter fände, und er fand nichts“. Leibniz charakterisierte ihn als „in Bildung und Urteilsfähigkeit gerade unter dem Adel nicht mittelmäßig“. In seiner Leichenpredigt heißt es über ihn, „dass er die Studia (liebte) biß an sein Ende“.  

Literatur

  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Dritter Theil, Berlin 1829, S. 273-277.
  • Sabine Sellschopp: Leibniz und die Brüder von Alvensleben – Begegnungen und Briefwechsel. Vortrag auf der Fachtagung  „Gottfried Wilhelm Leibniz in Hundisburg“ am 16.-19.9.2004 in Hundisburg. Veröffentlicht in: Berthold Heinicke und Hartmund Hecht (Hrsg.): Am Mittelpunkt der zwischen Hannover und Berlin vorfallenden Mitteilungen. Gottfried Wilhelm Leibniz in Hundisburg. Hundisburg 2006, S. 51-69.
  • Hartmut Hecht: Ein Spaziergang im Großen Garten zu Herrenhausen.  In: Berthold Heinicke und Hartmund Hecht (Hrsg.): Am Mittelpunkt der zwischen Hannover und Berlin vorfallenden Mitteilungen. Gottfried Wilhelm Leibniz in Hundisburg. Hundisburg 2006, S. 70-73. 
  • Horst Bredekamp: Leibniz und die Revolution der Gartenkunst. Herrenhausen, Versailles und die Philosophie der Blätter. Berlin 2012, S. 33-34, 40, 75