Ludolf X. v. Alvensleben (1511-1596)
Erzb. Magd. Geh. Rat und Hofmeister, Herr auf Hundisburg, Neugattersleben etc.
Ludolf X. v. AlvenslebenEr war der älteste Sohn von Landeshauptmann Gebhard XVII. v. Alvensleben auf Kalbe/Milde und Hundisburg und der Fredeke v. Wenden sowie ein Bruder des Humanisten und Reformators Joachim I. v. Alvensleben. Nach einem Studium trat er zunächst in den Dienst des Grafen Hoyer von Mansfeld und nahm 1532 am Feldzug Kaiser Karls V. gegen die Türken teil. 1533  wechselte er in den Hofdienst bei Kardinal Albrecht in Magdeburg. 1556 wurde er von Erzbischof Siegmund zum Wirklichen Rate ernannt. 1558 erhielt er auch das Hofmeisteramt zugleich mit einer Bestallung als Geheimer Rat. Nach dem Tode des Erzbischofs Siegmund legte er diese Ämter nieder, nahm jedoch einige Zeit später eine magdeburgische Landratsstelle an, die er bis ins hohe Alter 1592 beibehielt.
Neben seiner öffentlichen Tätigkeit widmete er sich mit großer Tatkraft und erfolgreich der Bewirtschaftung seiner Güter. Bei der brüderlichen Teilung 1556 fielen ihm durch Los das Haus Hundisburg und eine Hälfte der Güter in Kalbe zu. Ferner war er zusammen mit seinem Bruder Joachim Pfandbesitzer von Amt Alvensleben. Im Laufe seines langen Lebens konnte er seine Besitzungen weiter vermehren. Die wichtigste Erwerbung war das Schloß Neugattersleben, das er 1573 von der Stadt Magdeburg für 90.000 Reichstaler, zuzüglich 3000 Taler für milde Zwecke, kaufte. Weitere bedeutsame Erwerbungen waren die Pfandschaften Langenstein (1560) bei Halberstadt und Friedeburg (1579), die jedoch beide 1612 wieder eingelöst wurden.
Ludolf X. entfaltete ein rege Bautätigkeit: In Hundisburg ließ er 1544 zusammen mit seinen Brüdern das alte Schlossgebäude errichten. 1568 baute er den großen Turm (den sog. Templerturm) aus. Bis 1571 folgten weitere Gebäude am Südrand des Burgberges. 1587 ließ er die Dorfkirche fast ganz von neuem aufbauen. In Neugattersleben ließ er 1583 die Schlosskapelle und 1589 die Mühle errichten. Auch in Alvensleben erneuerte er zusammen mit seinem Bruder Joachim viele Gebäude, u.a. nach Einführung der Reformation 1548 die St. Godeberts-Kapelle.
Bartha v. BartenslebenDaneben bemühte er sich, die kirchliche, soziale und schulische Situation in seinem Verantwortungsbereich zu verbessern. 1554 führte er in Hundisburg durch den ehemaligen Karmelitermönch Avoginus die Reformation ein. Er gehörte auch zu der Kommission, die im Erzstift die Kirchenvisitationen durchführte. 1560 stiftete er in Hundisburg die Schule, 1586 die Hospitäler in Hundisburg und Neugattersleben.
Er war mit Bartha v. Bartensleben (1514-1587) verheiratet und hatte mit ihr drei Söhne und fünf Töchter. Sie war – wie ihr Mann – eine tatkräftige und wohl auch sehr eigenständige Frau: Sie pachtete von den Gütern ihres Mannes die Viehwirtschaft, führte darüber eine sehr genaue Rechnung und erwirtschaftete daraus ein Kapital von 26.000 Talern. Als ihr Mann 1554 die Reformation in Hundisburg einführte, blieb sie katholisch und ging fortan zur Messe in das Kloster Althaldensleben, wo Sophia v. Alvensleben bis 1590 die letzte katholische Äbtissin war. Erst kurz vor ihrem Tode trat sie zum evangelischen Glauben über. Innerhalb des Vereins KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V. hat sich eine Frauengruppe BARTHA gebildet, die sich nach ihr benannt hat (www.schloss-hundisburg.de).
Ludolf X. starb am 11. 4. 1596 im Alter von 85 Jahren und wurde in der Kirche in Hundisburg beerdigt. Dort befindet sich noch heute sein Grabdenkmal - geschaffen von dem bekannten Braunschweiger Bildhauer Jürgen Röttger. Es zeigt im oberen Felde das Weltgericht, in den drei unteren die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Davor knieen in Lebensgröße Ludolf und drei Söhne an der einen Seite und seine Frau Bartha mit ihren fünf Töchtern aus der anderen Seite. 

Literatur:

  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern. Band II, Berlin 1819, S. 358-415.
  • Fritz Schwerin: Fünf Edelleute aus den vorigen Tagen. Halle 1859, S. 126-131

 Grabdenkmäler Neugattersleben