Ludolf August Friedrich v. Alvensleben (1743-1822)
Preußischer Generalmajor

Ludolf kam am 6.9.1743 als ältester Sohn des Majors Johann Friedrich IV. v. Alvensleben (1698-1752) und Wilhelmine v. Erlach (1722-1756) in Alsleben (Mansfelder Seekreis) zur Welt. Er stammte aus dem Hause Kalbe/Roda. Sehr früh verlor er seine Eltern. Nach einem Dienst als Page beim Herzog von Anhalt-Bernburg trat er bereits 1756 mit dreizehn Jahren in die Preußische Armee ein und machte als junger Soldat den Siebenjährigen Krieg (1757-1763) mit. Beim Überfall bei Hochkirch (1758) geriet er als Fähnrich verwundet in österreichische Gefangenschaft. In der blutigen Schlacht bei Torgau (1760) wurde er am Fuß verwundet. Mit achtzehn Jahren avancierte er 1762 zum Secondeleutnant. Nach dem Friedensschluss 1763 folgte ein normaler Truppendienst. 

1778/79 kam er im bayrischen Erbfolgekrieg zum Einsatz, 1779 wurde er zum Stabskapitän, 1788 zum Major befördert. Als solcher nahm er am ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich (1792-1797) teil. Für sein Verhalten in der Schlacht bei Pirmasens 1793 erhielt er den Orden pour le merite. Danach avancierte er sehr schnell: 1796 war er Oberstleutnant und Bataillonskommandeur, 1798 Oberst, 1800 Regimentskommandeur, 1804 Chef des Infanterieregiments von Schierstedt (Nr. 33), 1805 Generalmajor.  

Mit der Niederlage Preußens gegen Napoleon begann für Ludolf eine sehr schwere Zeit. 1806 in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt verwundet, gehörte er zu den Truppen, die im November 1806 in der Festung Magdeburg kapitulierten. Zwar wurde er 1807 noch als Kommandant von Glatz und 1808 als Inspekteur der schlesischen Truppen eingesetzt und schließlich 1809 mit einer jährlichen Pension von 900 Talern in den Ruhestand versetzt, jedoch verurteilte ihn ein Kriegsgericht im November 1809 wegen seines Verhaltens bei der Kapitulation von Magdeburg zur Kassation und zu zwei Jahren Festungshaft. Seine Unterhaltszahlung reduzierte man auf 15 Taler pro Monat. Der König, der dieses Urteil für ungerecht hielt, soll ihm aber heimlich 350 Taler jährlich als Unterstützung gezahlt haben. Ludolfs Bitte, mit Beginn der Befreiungskriege 1813 wieder in die Armee aufgenommen zu werden, lehnte der König dagegen als unzulässig ab. 

Auch die Nachwelt beurteilte das Verhalten des Generals v. Alvensleben während der Kapitulation von Magdeburg anders (vgl. Paulig 1891, S. 52/53; Großer Generalstab, 1906, S. 40, 281-304; Lübeck, 2007, S. 147/148). Danach soll Alvensleben in dem entscheidenden Kriegsrat am 6.11.1806 der Kapitulation widersprochen haben, konnte sich aber gegenüber dem befehlshabenden Gouverneur v. Kleist nicht durchsetzen. 

Ludolf heiratete am 28.3.1790 in Potsdam Ernestine v. Rabiel (1768-1832) und hatte mit ihr eine Tochter Ludolfine (1793-1871). Er starb am 25.2.1822 in Brieg/Schlesien im Alter von 79 Jahren. 

Literatur:

  • Wohlbrück III (1829), S. 367-369.
  • F.R. Paulig: Geschichte der Befreiungskriege. Sechste Auflage. Frankfurt/Oder 1891, S.52/53.
  • Großer Generalstab: 1806. Das preußische Offizierskorps. Berlin 1906, S. 40, 281-304.
  • Kurt v. Priesdorff: Soldatisches Führertum (1937-42). Bd. 3,  Nr. 1077.
  • Wilfried Lübeck: 8. November 1806 – Die Kapitulation von Magdeburg, die feige Tat des Gouvereurs v. Kleist? In: Mathias Tullner und Sascha Möbius (Hrsg.):1806: Jena, Auerstedt und die Kapitulation von Magdeburg. Schande oder Chance? Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, Heft 46, Halle 2007, S.140-152.