Graf Werner v. Alvensleben (1840-1929)
Besitzer des Gutes Neugattersleben und Unternehmer

ImageWerner v. Alvensleben wurde am 20.7.1840 in Neugattersleben geboren. Er war der Sohn von Ludwig v. Alvensleben (1805-1869) und  Luise v. Trotha (1811-1893) und verheiratet mit Anna v. Veltheim (1853-1897) aus Ostrau. Aus der Ehe gingen fünf Söhne und zwei Töchter hervor, darunter der Kaufmann und Politiker Werner v. A. (1875-1947), der kanadische Unternehmer Gustav Konstantin (Gustin) v. A. (1879-1965) sowie sein Nachfolger in Neugattersleben und Präsident des Herrenklubs Graf Bodo v. A. (1882-1961). Zwei weitere Söhne fielen im ersten Weltkrieg. Die Witwe seines ältesten Sohnes Joachim (1872-1914) Armgard (Aja) v. Alvensleben, geb. v. Knebel-Döberitz (1893-1970) wurde 1938 Äbtissin von Heiligengrabe und nach dem Kriege Vorsitzende der Bahnhofsmission in Deutschland. 

Werner v. A. besuchte das Gymnasium in Bernburg und die Forstakademie in Tharandt, ging einige Jahre in den Heeresdienst und übernahm 1868 die Bewirtschaftung des väterlichen Gutes Neugattersleben zunächst als Pächter und nach dem Tode des Vaters als Eigentümer. Als solcher entfaltete er eine umfassende unternehmerische Tätigkeit auch außerhalb der Landwirtschaft. So übernahm er die vom Vater errichtete Zuckerfabrik, die er aber 1880 schloß, um sich an der Zuckerfabrik im benachbarten Hohenerxleben zu beteiligen. Er modernisierte  den Abbau der Braunkohle in der Grube Helene-Luise, eröffnete ein Kalkwerk, bemühte sich – allerdings erfolglos – um die Erschließung von Kalivorkommen und vergrößerte die Wassermühle zur Elektrizitätsgewinnung. Es folgte 1910 die Errichtung einer Kartoffelflockenfabrik und 1916 einer Trocknungsanlage für Rübenblätter. In Neugattersleben nahm er einen Um- und Erweiterungsbau des Schlosses vor und gestaltete den Park neu. Unter seinem Kirchenpatronat wurden die Kirchen in Löbnitz (1886) und Hohendorf (1887-1889) neu gebaut, außerdem ein Hospital. 

Sportlich tat er sich als einer der besten Viererzugfahrer seiner Zeit hervor und gewann als solcher zahlreiche Preise. Noch im Alter von 73 Jahren beteiligte er sich erfolgreich an einem Turnier anlässlich des 25jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. im Berliner Stadion. Dieser war häufig Gast auf den Jagden in Neugattersleben und 1889 Pate der jüngsten Tochter Wilhelmine. Als die Hausfrau Anna, geb. v. Veltheim, 1897 starb, stiftete der Kaiser ein Grabdenkmal, das er selbst entwarf und bei dessen Enthüllung er persönlich anwesend war.  

Es folgten weitere Ehrungen: Er wurde zum Kammerherren und Schlosshauptmann von Quedlinburg ernannt, am Krönungstag 1901 in den Grafenstand erhoben und er erhielt 1913 den Titel Exzellenz. Daneben bekam er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse. Auch war er Rechtsritter des Johanniterordens . Nach dem ersten Weltkrieg zog er sich im hohen Alter schrittweise aus der Bewirtschaftung seiner Betriebe zurück und übergab sie seinem vierten Sohn Bodo. Er starb im Alter von 88 Jahren am 18.2.1929 in Neugattersleben.

 Literatur

  • Wilhelm Kamlah: Die Geschichte von Hohendorf, Neugattersleben, Löbnitz mit einer Chronik. Eisleben 1907.
  • Hellmut Kretschmar: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben seit 1800. Burg 1930, S. 65-67.
  • Ernst Krause: Erinnerungen an Neugattersleben. Unveröffentlichtes Manuskript (219 S.). Halle 1935.

Grabdenkmäler Neugattersleben

Kirchenfenster Neugattersleben

Kirchenfenster Löbnitz