Der Spring im Riesen und die Wasserfrauen

Bei Weferlingen liegt auf einer mäßigen Höhe ein schöner Wald, der Riesen genannt. Gleichen Namen führt auch ein Wald zwischen Erxleben und Bartensleben. Darin ist ein gar anmuthiger Spring mit herrlichem Wasser und um die Quelle her lagern sich gern die Hirten mit ihren Heerden, und es kamen einige Zeit lang auch viele Menschen lustwandelnd an die schöne Waldstelle. Da erschienen aber zwei Frauen auf dem Wasserspiegel, schauten den ganzen Tag über aus der Quelle hervor, verjagten durch ihr schreckliches Aussehen Menschen und Vieh und litten nicht mehr, daß sie sich dem Springe naheten.

Quelle: H. Pröhle, Deutsche Sagen. Berlin 1863. S. 71.
Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats. Deutsche Märchen und Sagen, 1867, Bd. 1, S. 219.

Hierzu gibt Pröhle noch folgende Ergänzung:

Diese Sage setzte mein Erzähler zu einem Herrn von Alvensleben in Erxleben in eine wunderliche Beziehung, indem er, die Sage erklärend, behauptete: Derselbe habe zwei Frauen sich als Gespenster auskleiden und Tag für Tag auf den Wasserspiegel setzen lassen, um die Vorübergehenden und besonders die Hirten von dem schönen Platze an der Quelle zu ver treiben. Ich vermuthe, daß die Sage ursprünglich eine tiefer liegende Beziehung auf die Familie Alvensleben hat.

Quelle: H. Pröhle: Unterharzische Sagen. Deutsche Märchen und Sagen, 1856, S. 185.