Der Ring der Alvensleben

Golden Mondlicht um die Türme
Spielt und in das Zimmer leicht,
Draußen zieht es hin wie Stürme,
Dringt's durch Fenster flimmernd leicht,
Schlüpft es durch die grünen Ranken,
Die drum spielen wie Gedanken.
Und Gedanken auch sie schweben
Hin wohl durch die edle Frau,
Wo sich die Gardinen heben
Dicht bei den Tapeten grau,
Liegt sie wie vom Schlaf umfangen,
Leichtes Rot auf blassen Wangen.
Sieh', das ist noch ganz ein Zimmer,
Fein die Möbel, Rokokopracht!
Und dämpft des Lichtes Schimmer,
Niemand mehr beim Kindlein wacht,
Das hier ruhig in der Wiege
Schläft und Frieden seine Züge.
Horch! Da klingt es leise
Und die Tür geht langsam auf,
Einzieht's wie im Zauberkreise,
Welch ein lust' ger, luft' ger Hauf'!
Ja, die Geister sind's, die Kleinen,
Die sich hier zum Fest vereinen.
Und die Wöchnerin im Schlummer
Fährt wohl leise da empor.
"Nur getrost, dir bringt's nicht Kummer
Leihst du Auge uns und Ohr!
Sind zwar Geister, doch von euern,
Und woll'n hier die Hochzeit feiern."
Und es hört die Alvensleben,
Wie es singt und wie es klingt,
Hin zum Ofen sie sich begeben,
Und das Tönen weiter dringt,
Bunt geputzt sind Herrn und Damen,
Wie wenn sie zum Balle kamen.
Blau und rot und rosa weiter,
Gleichwie aus der Ritterzeit,
Und da tanzen alle heiter, -
Himmel, welche prächt'ge Maid!
Und dazu dann auch ihr Ritter
Und bekränzt der Hochzeitsbitter
Singend geht es fort und leise:
So die ganze liebe Nacht,
Tanzen, drehen sich im Kreise,
Bis das Frührot leis' erwacht,
Die Prinzessin und die Zofen
Unter buntglasiertem Ofen.
Durch die schön geschnitzten Füße
Geht es hier und da vorbei,
Und dann senden sie noch Grüße,
Als ob alles aus nun sei;
Zu der jungen Mutter das Pärchen
Tritt dann wie im holden Märchen.
"Sieh", spricht er, da nickt die Feder
 Vom Barett, das himmelblau,
"gut wie du ist nicht jedweder,
Und nun hör' auf uns genau:
Nimm den Ring hier fein von Golde
Mit dem Stein zum Dank, du Holde!"
Dabei sich das Pärchen neigte,
Noch ein Tönen und entschwand,
Nichts sich mehr im Zimmer zeigte,
Doch am Morgen blitzend fand
Man den Ring, den sie gegeben,
Heut' noch Hort der Alvensleben.
Quelle: Rosemarie Pankow: Sagen und Geschichten aus dem Sternberger Land. Husum 1992, S. 61/62
(nach W.A. Wegner: Märkische Sagen und Gedichte. Berlin 1860?, S.51f.)