Sagen über die JohannisnachtKönigskerze

Die letzte Dämmerung gerade versunken, ist es endlich Nacht über der Oder, doch der Mond steht hoch über den Zelliner Bergen. Sein fader Schein liegt auf der Landschaft und die weißen Mäntel einer Ritterschar leuchten über dem Hügel aus einem Meer von Königskerzen. Die Männer tragen die roten Kreuze des Templerordens und warten auf ihren Meister. Um Mitternacht steigt er aus seinem Sonnenburger Grabe und eilt zu den Seinen. Trifft er ein, so zieht er sein Schwert gegen Jerusalem und die Ritter sprengen davon ins Heilige Land und sind verschwunden, noch vor dem Licht des Johannistages. So geht die Sage über Friedrich von Alvensleben, den letzten Ordensmeister der Templer in dieser Region (nach Leisering).

Eine andere Version dieser Sage lautet wie folgt: In der Johannisnacht sieht noch heute der märkische Landmann die Templer sich versammeln; überall, wo eine Königskerze steht, steigt ein Templer aus seinem Grabe, Friedrich v. Alvensleben schwingt sein Schwert, und unter seiner Führung jagen sie dem Heiligen Lande zu, bis der Aufgang der Sonne sie in ihre Gräber zurückscheucht. Ein halbes Jahrtausend ist dahingerauscht, unvergessen aber sind in Mark Brandenburg Friedrich v. Alvensleben und der Templer rotes Kreuz (Hesekiel, S.352). 

Zellin (polnisch: Czelin) liegt am östlichen Oderufer, nordwestlich von Küstrin.

Quellen:

  • Peter Leisering: Tempelritter in der Mark. In: Die Mark Brandenburg, Heft 16 (1994) – Ritterorden und Ordensritter in der Mark Brandenburg.
  • Ludovica Hesekiel: Templer und Johanniter. Roman, Hamburg, 1931, S.352.