Der Kampf mit dem Krebs von Mohrin 

Kirche in Mohrin
Kirche in Mohrin:
Der Sage nach soll sie auf der Gruft des Templermeisters Friedrich v. Alvensleben
oder eines Templer-Komturs errichtet worden sein

Die Stadt Mohrin ist durch den großen Krebs bekannt geworden, der der Sage nach auf dem Grunde des Mohriner Sees angekettet liegt. Der Krebs, so berichtet man, rüttelt zuweilen gewaltig an seinen schmiedeeisernen Ketten und will sich befreien. Dann heult, braust und tost der See, und es entsteht ein Sturm und Unwetter, als wolle die Stadt und die Welt untergehen.  Sollte es dem Krebs einmal gelingen, sich zu befreien, erzählt man weiter, würde es in der Welt rückwärts gehen, und alle Errungenschaften der Neuzeit, an denen ja auch Mohrin seinen Anteil besitzt, gingen wieder verloren. Hoffen wir, dass der rückwärts schreitende Krebs sich nicht von seinen Ketten befreit. 

Der Sage nach soll dieser Krebs einmal an der Seite der Heiden gegen die Ordensritter gekämpft und alle ihre Angriffe erfolgreich abgeschlagen haben. Schon wollte das Ritterheer unter Führung von Friedrich von Alvensleben den Rückzug antreten, als ein alter Templer-Komtur sich anbot, den Krebs mit Hilfe einer Reliquie, eines heiligen eisernen Ringes und einer goldenen Kette zu fesseln und auf diese Weise kampfunfähig zu machen. Mutig näherte sich der Komtur dem Ungeheuer und warf die Kette über seine Scheren, als es sich wutschnaubend auf ihn werfen wollte. Doch von der Wundermacht des Ringes gebannt, sank es kraftlos zurück und verschwand in den Fluten des Mohriner Sees. So sehr er an der goldenen Kette mit dem Ring zerrte, der Komtur hielt sie fest umklammert und damit den Krebs an den Grund des Sees gefesselt.  

Als die Wenden sahen, dass ihr Kampfgefährte auf diese Weise ausgeschaltet war, packte sie großes Entsetzen und bald hatten die Kreuzritter das flüchtige Heidenheer besiegt. Nach der Schlacht fand man den Komtur tot, aber die Kette immer noch fest in den Händen haltend, am Seeufer. Seine Ordensbrüder begruben ihn dort und errichteten über seiner Gruft die Kreuzkirche, zu deren Füßen allmählich die Stadt Mohrin entstand. Nach einer anderen Version der Sage (van Vleuten) soll es sogar Friedrich von Alvensleben selbst gewesen sein, der den Krebs gebändigt und dessen Opfertod den Sieg gegen die Heiden ermöglicht hat. 

Quellen:
  • E. Handtmann: Neue Sagen aus der Mark Brandenburg. Berlin 1883, S. 177-184,
  • Wilhelm Schwartz: Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg. 6. Auflage. Stuttgart und Berlin 1914, S. 124
  • F. van Vleuten: Märkische Sagen. Leipzig, S. 101/102,
  • Jörg Lüderitz: Neumärkische Spaziergänge. Verlag Bock u. Kübler, Berlin-Fürstenwalde-Woltersdorf 2000, S. 95-100

Die Kleinstadt Mohrin (polnisch: Moryn) liegt östlich der Oder zwischen Küstrin (polnisch: Kostrzyn) und Schwedt.