Werner Ordomar v. Alvensleben

1667-1714 | Kurfürstlich Sächsischer Oberst, Herr auf Klosterroda und Goseck

Er wurde am 30.10.1667 als vierter Sohn von Joachim Werner II. v. Alvensleben (1622-1679) und seiner Frau Metta Susanna v. Bodenhausen (1631-1673) in Klosterroda bei Sangerhausen geboren. Das Rittergut Klosterroda war von 1659 bis 1739 im Besitz der Alvensleben. Da seine Eltern früh verstarben, wurde er im Hause seines Onkels Bodo v. Bodenhausen in Niedergandern bei Göttingen erzogen. Im Alter von sechzehn Jahren ging er im Frühjahr 1684 mit seinem älteren Bruder an die Universität Wittenberg. 

Als dieser 1685 starb, wechselte er an die Landgräflich Hessische Universität Rinteln, trat aber bald in der dortigen Garnison in den Militärdienst. Damit begann ein abenteuerreiches Soldatenleben.

1687 erhielt er eine Fähnrichsstelle im Bataillon des Freiherrn Riedesel, das in einem Heereskontingent des Herzogs Friedrich Karl von Württemberg im Dienst der Republik Venedig in den Krieg gegen die Türken zog. Die Truppen marschierten zunächst auf dem Landweg nach Italien und wurden weiter zur See nach Morea (= Peleponnes) eingeschifft, wo sie an der Belagerung von Negroponte (= Euböa) teilnahmen. Dort bewährte er sich und erhielt eine Leutnantsstelle. Bei den Belagerungstruppen befand sich auch sein jüngerer Bruder Bodo Dietrich (1669-1719).

Inzwischen hatte Frankreich unter Ludwig XIV. seinen dritten Eroberungskrieg begonnen, in dem u. a. die Pfalz verwüstet wurde. Der Herzog von Württemberg zog daraufhin seine Truppen aus Morea zurück und setzte sie im spanischen Sold unter dem Kommando von Prinz Eugen von Savoyen gegen Frankreich in Oberitalien (Piemont) und Südostfrankreich (Dauphiné) ein. Bei der Eroberung der Festung Gap wurde Werner Ordomar durch herausgeworfene Steine an Kopf und Schulter zum ersten Mal schwer verwundet.

Er überlebte weitere gefährliche Situationen: Einmal wurde er durch einen Granatenwurf am Kopf so stark getroffen, dass man ihn für tot hielt. Er erholte sich jedoch wieder und konnte die Wunde auskurieren. Ein anderes Mal wurde er bei einem Ringrennen so heftig von seinem Pferd gegen eine Säule geschleudert, dass man ihn wiederum für tot hielt und forttrug. In Tortona fiel er durch eine Falltür 24 Stufen herunter. Für einige Stunden galt er als tot, dann ließ man ihn zur Ader, um ihn wieder zum Leben zu erwecken. In einem blutigen Gefecht bei Pignerol am 4.10.1694 wurde er erneut schwer verwundet. Über 24 Stunden blieb er hilflos liegen und galt als tot. Feindliche Soldaten raubten ihn aus. Er verstopfte seine blutenden Wunden mit Gras, bis ihn ein französischer Rittmeister fand und in das französische Lager bringen ließ. Gegen ein Lösegeld kam er wieder frei.

Nach Verheilung seiner Wunden kehrte Werner Ordomar 1695 nach Deutschland zurück, regelte in Klosterroda die Erbschaftsangelegenheiten mit seinen Brüdern und trat dann wieder in die Dienste des Herzogs von Württemberg, zunächst als Hauptmann beim Dragonerregiment von Kruß. Er wurde bald Major, dann Generaladjutant des Herzogs und schließlich Oberstleutnant. Nach Beendigung des Krieges 1697 hielt er sich zur ärztlichen Behandlung seiner Wunden in der Schweiz auf, ging dann nach Frankreich, wo er elf Monate in Paris blieb und reiste 1700 durch Brabant, Flandern und Holland zurück nach Klosterroda.

1701 heiratete er Dorothea Hedwig von Pöllnitz, verwitwete von Osterhausen, die Erbin der Burg Goseck an der Saale, wo das Paar seinen Wohnsitz nahm. Er hatte zunächst sehr an den Folgen seiner Verwundungen zu leiden, konnte aber seine Gesundheit soweit wieder herstellen, dass ihn der Kurfürst von Sachsen 1707 zum Obersten der Ritterpferde ernannte.

Sein weiteres Leben verbrachte er in Goseck, wo er am 31.7.1714 im Alter von nur 46 Jahren starb und in der Schlosskirche beigesetzt wurde. Dort befindet sich für ihn und seine im August 1715 verstorbene Witwe ein großes Epitaph, das nach 1945 wie die gesamte Inneneinrichtung der Kirche durch Vandalismus stark beschädigt wurde.

Udo v. Alvensleben-Wittenmoor besuchte Goseck am 19.6.1938 und vermerkte in seinem Tagebuch:

„Besuche das pomphafte Grabmal Werner Ordomars in der Schlosskapelle, das ihm seine Witwe setzen ließ, und schreibe die lange gefühlvolle Inschrift ab“. Das Epitaph selbst charakterisiert er in einer 1957 verfassten Schrift wie folgt: „Das seltsame Monument bildete einstmals die Umrahmung eines (jetzt vermauerten) Grufteinganges. Die knieenden Gestalten des Verstorbenen und seiner Gemahlin Dorothea Hedwig v. Pöllnitz werden von je drei männlichen und weiblichen Gestalten flankiert, die Herren in Rüstung und Allonge, die Damen in modischer Zeittracht. Dem entspricht die Unruhe der Komposition, die Überfülle symbolischer Motive und kriegerischer Embleme“.

Literatur:

  • Johann Gottfried Ferber: Werner Ordomar von Alvensleben (Leichenpredigt). Naumburg 1715.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und seiner Güter . Dritter Theil. Berlin 1829, S. 281-285.
  • Karl August Gottlieb Sturm: Goseck und seine Umgebungen. Naumburg 1844, S. 62-64.
  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor: Grabmäler der Herren v. Alvensleben. Unveröffentlichtes Manuskript 1957 (32 S.).
  • Udo v. Alvensleben-Wittenmoor: Die Alvensleben in Kalbe 1324-1945, bearbeitet von Reimar v. Alvensleben. Falkenberg 2010, S. 164-168.
  • Jens Winter: Werner Ordomar von Alvensleben. Gosecker Heimatblätter 12. Jg. 2017, Heft 12 (Nov) S. 63-67.

Epitaph in Goseck