Schlosskapelle Erxleben

In der Schlosskapelle Erxleben gab es drei buntverglaste Gedächtnisfenster aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden in der Nachkriegszeit ausgebaut. Zwei der Fenster sind weitgehend zerstört, ein drittes blieb erhalten, wurde 2010 restauriert und wieder eingebaut.

Gedächtnisfenster für Graf Johann August Ernst v. Alvensleben,
Gräfin Caroline, geb. v. Rohr und Graf Albrecht v. Alvensleben

Das älteste war ein um 1860 an der Ostseite angebrachtes Fenster für den Domdechanten und braunschweigischen Premierminister Graf Johann August Ernst v. Alvensleben (1758-1827), seine Frau Caroline, geb. v. Rohr (1771-1816) und deren Sohn, den preußischen Finanzminister Graf Albrecht v. Alvensleben (1794-1858). Es handelte sich um eine Glasmalerei der Grablegung (in Grisaille) und der Auferstehung Christi (bunt), entworfen von Paul und ausgeführt von Schwechten (Dessau). Das Fenster ist weitgehend zerstört, nachdem es noch 1943 von der Glasmalerei Müller in Quedlinburg restauriert worden war. Unten der von C. Cantian (1794-1866) stammende Epitaph-Entwurf aus der 1861 gedruckten Leichenpredigt für Graf Albrecht v. Alvensleben.

Gedächtnisfenster für Graf Ferdinand v. Alvensleben und
Gräfin Pauline, geb. v. d. Schulenburg

Das um 1890 an der Ostseite eingebaute Fenster trug die Inschrift: Ludolph Friedrich Ferdinand Graf von Alvensleben (Wirklicher Geheimer Rath) geb. am 23ten Januar 1803 zu Isenschnibbe, vermählt am 25. Septr. 1829 zu Priemern, gest. 11. Juli 1889 zu Erxleben. Luise Therese Pauline Gräfin von Alvensleben geborene Freiin von der Schulenburg Priemern, vermählt am 25. Septr. 1829 zu Priemern, gest. 27. Septr. 1882 zu Erxleben. Darüber die Wappen der Alvensleben und Schulenburg und die Darstellung der Hochzeit zu Cana, darüber die Bildnismedaillons der Verstorbenen. Unten rechts die Signatur: Glasmalerei von Ferd. Müller, Quedlinburg.

Das Fenster ist in der Nachkriegszeit ebenfalls weitgehend zerstört worden. Erhalten blieb das nebenstehende Schwarz-Weiß-Foto aus der Vorkriegszeit sowie ein Karton mit dem Entwurf des Mittelteils (Hochzeit von Cana) im Archiv der Glasmalerei Müller in Quedlinburg.

Gedächtnisfenster für Udo Gebhard Ferdinand v. Alvensleben und
Ehrengard, geb. v. Kröcher

Das um 1895 an der Westseite eingebaute Gedächtnisfenster stammt aus der Werkstatt des Königlichen Instituts für Glasmalerei Berlin-Charlottenburg. Es trägt die Inschrift: Udo Gebhard Ferdinand von Alvensleben geb. 14. März 1814 zu Berlin + 20 Dez 1879 zu Erxleben Erbtruchsess und Kammerherr. Erbherr auf Erxleben, Uhrsleben und Wittenmoor. Ehrengard Karoline v. Alvensleben geb. v. Kröcher geb. d. 13. Juli 1823 (tatsächliches Geburtsjahr: 1821) + 27. April 1895 zu Hannover. Im oberen Teil knien die Verstorbenen (Udo in der Kleidung eines Johanniterritters) unter dem Kreuz Christi, im unteren Teil ist die Beweinung Christi von Plockhorst (1825-1907) nach Anton van Dyck dargestellt, dazwischen die Inschrift:

Christus ist mein Leben. Sterben ist mein Gewinn. Phil 1 Vers 21.

Das leicht beschädigte Fenster konnte von dem Glasmaler Hans-Georg Losert aus Halberstadt restauriert werden. Der Wiedereinbau des restaurierten Fensters an seinem alten Platz wurde am 14.3.2010 im Rahmen eines Gottesdienstes festlich begangen.

Literatur:

  • Lebenslauf und Tod des Grafen Albrecht v. Alvensleben … Berlin 1861 („Leichenpredigt“)
  • Erhard Wunsch: Die Schlosskapelle in Erxleben. Jahresarbeit am Gymnasium Haldensleben. 1949 (unveröffentlicht – befindet sich im Archiv des Museums Haldensleben)
  • Udo v. Alvensleben-Witt enmoor: Grabmäler der Herren v. Alvensleben. Unver öffentlichtes Manusskript 1957, S. 22/23
  • Marie-Luise Harxen: Die Kunstdenkmale des Kreises Haldensleben. Leipzig 1961, S. 265-266
  • Cornelia Aman: Glasmalereien des 19. Jahrhunderts. Sachsen-Anhalt. Die Kirchen. Edition Leipzig 2003, S. 24.
  • Frank Laska: Die Glasmalereianstalt Ferdinand Müller in Quedlinburg von ihrer Gründung bis zum Jahr 1914, Quedlinburg 2009, 296 S.